Herzschlag der Szene
Am Vorabend seines Todes habe ich ihn zwischen vielen Menschen auf einer Premierenfeier getroffen und in sein durchwachtes Gesicht geschaut. Er fragte, was der Sinn des Lebens sei. «Wir brauchen Dich, Laurent!» – «Ist das der Sinn des Lebens, dass man gebraucht wird?», war seine Antwort. Je t'ai besoin – diesen Satz hat er selber einmal vertont, für den zweiten Teil der «Orestie»: Elektra am Grab ihres Vaters, 2002 an den Münchner Kammerspielen. So holt das Leben die Kunst ein.
«Gebraucht» hat Andreas Kriegenburg vor 14 Jahren bei seiner Inszenierung «Kasimir und Karoline» einen Musiker und zum ersten Mal von einem gewissen Laurent Simonetti gehört. Da hatte dieser eigentlich schon entschieden, sich zum Reisekaufmann umschulen zu lassen und den Musikerberuf an den Nagel zu hängen. Doch Kriegenburg lernte ihn kennen und überredete ihn, zum Theater zurückzukehren, das seitdem seine zweite Familie wurde.
Wochenlang saß Laurent Simonetti auf Proben, hat genau zugehört und hingeschaut und mit seinen Akkordeontönen die Schauspieler zum Spielen animiert. Wenn ihm etwas fremd oder unverständlich blieb, fragte er fast kindlich genau nach dem Sinn eines Satzes oder gar einer Szene. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Clemens Meyer ist als Dichter mit Bierflasche in die jüngste Feuilletongeschichte eingegangen. Als der 1977 in Halle geborene Leipziger im März den Buchpreis der Messestadt erhielt, wurde er just in dem Moment fotografiert, als er im Siegestaumel die Pulle hochriss – die authentische Siegerpose des Kerls von der Straße, der sich längst mit Schmalzlocke, Brille und...
Vor ziemlich genau zwei Jahren, nachdem sie eine «Lenz»-Aufführung in Berlin gesehen hatten, fragten mich die Chefdramaturgin und der Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters begeistert («Was für eine starke Form!»), ob ich nicht Lust hätte, «Faust» in Weimar zu inszenieren. Den ganzen. Gott sei Dank habe ich mich nur um den zweiten Teil gekümmert, sonst...
Gründe, kritisch zu sein, gibt es genug», schreibt Friedrich Schirmer im Vorwort zum neuen Spielplanheft des Deutschen Schauspielhauses. Zwar meint er damit mehr die Verhältnisse in der Welt, aber zu den Verhältnissen in seinem Theater gibt es ja auch einiges zu sagen. Inszenierungen, Schauspielerleistungen, Intendantenscherze, Spielplanentscheidungen,...
