Gegenkritik: Laurent Chétouane
Vor ziemlich genau zwei Jahren, nachdem sie eine «Lenz»-Aufführung in Berlin gesehen hatten, fragten mich die Chefdramaturgin und der Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters begeistert («Was für eine starke Form!»), ob ich nicht Lust hätte, «Faust» in Weimar zu inszenieren. Den ganzen. Gott sei Dank habe ich mich nur um den zweiten Teil gekümmert, sonst hätte Weimar heute bestimmt auch keinen «Faust 1» mehr auf dem Spielplan. Der Tragödie zweiter Teil wurde jedenfalls nach fünf Vorstellungen von der Theaterleitung abgesetzt.
Die Liebhaber der Aufführung – auch die gibt es – waren leider nicht zahlreich genug, oder zu leise. Die Kritiken waren gemischt, was einem gewöhnlichen Pressespiegel einer Chétouane-Inszenierung seit acht Jahren entspricht: Wenige versuchen zu benennen, was sie in der Arbeit bewundern und sprechen sogar von einer neuen Theaterform. Mehrere Kritiker sind wütend, werden vulgär, mindestens böse. So ein Desaster erlebe man höchstens einmal in seinem Leben. Dabei wiederholt sich dieses Desaster doch auf mehreren deutschen Bühnen. Regelmäßig sogar.
Was passiert auf der Bühne? Eigentlich nichts, wird oft gesagt: Rezitationskunst,Aufsagetheater, Hörspiel. ...
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