Jeunesse prolé
Clemens Meyer ist als Dichter mit Bierflasche in die jüngste Feuilletongeschichte eingegangen. Als der 1977 in Halle geborene Leipziger im März den Buchpreis der Messestadt erhielt, wurde er just in dem Moment fotografiert, als er im Siegestaumel die Pulle hochriss – die authentische Siegerpose des Kerls von der Straße, der sich längst mit Schmalzlocke, Brille und Anzug (unter dem sich, wie es heißt, 16 Tattoos verbergen) zum Schriftsteller gewandelt hat.
Auch «Als wir träumten», der Roman, mit dem er vor zwei Jahren berühmt wurde, scheint aus einer einzigen authentischen Geste heraus geschrieben zu sein. Meyers literarisches Alter Ego Daniel erzählt darin von den Leipziger Nachwendejahren einer kleinkriminellen Jungsclique, die beim Saufen, Hauen, Autoklauen Kopf und Kragen riskiert, im Knast oder gleich auf dem Friedhof landet. Der Autor bleibt der Handlung dicht auf den Fersen; es gibt kein reflektierendes, analysierendes, nur ein unbeirrbar am wilden Leben entlangschreibendes Ich.
Armin Petras, der sich schon öfter «für das unschuldig schuldig Werden» interessiert hat und für die Schwelle von der Pubertät ins Erwachsenenleben, hat zusammen mit der Dramaturgin Carmen Wolfram ...
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Franz WilleMögen Sie Flughäfen?
Tena StivicicFrüher schon, so vor zehn Jahren, als ich anfing, öfter zu reisen. Flughäfen fand ich sehr romantisch. So viele Menschen, die kommen und gehen, man weiß nie, wen man gerade trifft. Damals sind noch viel weniger Leute geflogen, das hatte fast noch etwas Dekadentes. Und verglichen mit Zügen und Bussen, besonders in meinem...
Der Anfang ist ein klassisches Nübling-Gewitter. Rund 20 wildgewordene Börsianer, die im Rudel rennen und schreien und die Fäuste recken. Dazwischen die kleine Katharina Schmalenberg als Lady Macduff, die eiskalt sinkende, dann steigende Aktienkurse ausruft. Dann tritt ein ruhiger, guruhafter Duncan ins junge Gebrüll, denkt laut über seinen Nachfolger nach und...
Vor ziemlich genau zwei Jahren, nachdem sie eine «Lenz»-Aufführung in Berlin gesehen hatten, fragten mich die Chefdramaturgin und der Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters begeistert («Was für eine starke Form!»), ob ich nicht Lust hätte, «Faust» in Weimar zu inszenieren. Den ganzen. Gott sei Dank habe ich mich nur um den zweiten Teil gekümmert, sonst...
