Grundlage Gefahr
Es ist schon zum Kotzen, viel zu jung zu sterben. Schlimm ist, dass man überhaupt stirbt, aber das Allerschlimmste ist, zu früh zu sterben, sagte man schon zu den Zeiten Homers. Es gibt aber auch fast schon genauso lange die erschreckende Gegenthese, die Nietzsche dem Begleiter des Dionysos, dem weisen Silen, in den Mund gelegt hat: «Das Beste ist für dich unerreichbar, nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist bald zu sterben.» Das ist die Einstellung des dionysischen Künstlers, der keine Angst hat, aber damit auch keinen Selbsterhaltungstrieb.
Er liebt das Leben, aber fasst es eher so auf wie die Jahreszeiten, als ständiges Werden und Vergehen, nicht als unwiederholbares, individuelles Dasein, sondern als ästhetisches Phänomen, bei dem der Tod dazugehört und willkommen ist.
Ich kann mir vorstellen, dass Maria eine solche Einstellung nicht ganz fremd war. Und das nicht nur in der Kunst. Die Gefahr, in die sie sich begab, war vermutlich die Basis ihres Erfolgs. Wer sie sah auf der Bühne oder in irgendeinem ihrer Filme, sah immer auch diesen Todesmut – und das war schon so, als sie uns vor zwölf Jahren im Jugendclub P 14 der Volksbühne so ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Carl Hegemann
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