Die andere Geschichte

Monster des Guten wie des Bösen: Schillers «Jungfrau von Orléans» in Bochum, Shakespeares «Macbeth» in den Münchner Kammerspielen

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Wahrscheinlich geht es nur noch als Popsong: Wenn Lena Schwarz in den Bochumer Kammerspielen zur Jungfrau von Orléans anhebt, der Liebe und dem gesunden Landleben entsagt, um als eiserne Jungfrau mit höherer Botschaft Frankreich zu retten, dann steht sie links vorne an der Rampe, spricht und schnauft in ein Mikro, mischt sich selbst mit Echoschleife in einen heroischen Hallraum. Von weit hinten unterstützt ein dezent rockender Gitarrist die Atmo, und bühnenleinwandbreit sorgt ein trostloser Videoclip ins Nirgendwo für zeitlose Wanderdünen-Suggestion.

Text in Sound verwandeln ist ein probates Mittel, wenn man vom Sinn nicht mehr allzu viel mitbekommmen soll. Sozusagen akustisches Wegleuchten.

Schillers romantische Tragödie bietet besten Anlass für alle Arten inszenatorischer Vermeidungsstrategie. Wer wollte das vaterländische Märchen von der holden Jungfrau noch ernstnehmen, die innerlich erleuchtet eine verlorene Armee von Sieg zu Sieg führt, um urplötzlich mitten im Gefecht vom Bannstrahl der Liebe niedergeworfen zu werden? Und die dann, als alles wieder verloren scheint, noch einmal einen weltlichen Bußparcours absolviert, schließlich in seliger Todesverachtung ihr Leben hingibt, ...

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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 42
von Franz Wille

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