Geiz auf Probe
Das ist die Dramaturgenfrage: Was wollen wir mit diesem Stück erzählen? In Moers wirft der Regisseur ein paar Assoziationen zur Zeitgenossenschaft von Molières «Geizigem» in den Raum: «Geiz ist geil … wir zeigen diese ganze Überflutungsgesellschaft … eine immer-geile Inzestfamilie ... mit mehreren Fat-Suites übereinander …» Komplett wird das Klischee durch DEN Sinnspruch des modernen Regiequacksalbers: «Geschichten kann man nicht mehr erzählen, die sind alle auserzählt.
»
Die Proben-Parodie, mit der Philipp Preuss seine Inszenierung beginnt und die den Rahmen des ganzen Abends bildet, könnte in lausigste Provinz-Comedy abgleiten. Sie tut es nicht, und das ist beachtlich. Da sitzen vier «Schauspieler» an kargen Probenraumtischen neben der Jumbo-Kaffeekanne und hören sich müde gelangweilt, irritiert skeptisch oder arschkriecherisch fasziniert an, was ihr Chef da von sich gibt. Das gelingt so unaufgeregt, ja glaubwürdig, dass es statt albern witzig ist und – ahnt man – gar nicht so weit weg von der Realität. So, wie Frank Wickermann den «Regisseur» zwischen Abgefucktheit, Arroganz und Ambitionen changieren lässt, könnte er wahrscheinlich noch manch echten Intendanten beeindrucken.
Philip ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 76
von Vasco Boenisch
Das Schlimmste, was beim Aufenthalt in einem Ferienresort passieren kann, ist Dauerregen. Man sitzt in einem trostlosen Bungalow auf weißen Plastikstühlen. Statt «anspruchsvoller Entspannung in der heißen City», wie im Urlaubskatalog versprochen, fröstelt man beim Blick auf den grauen Plattenbeton der Karl-Marx-Allee, während die Wassermassen an der Fensterscheibe...
In seinem Erstlingswerk «Krauses Erzählungen» stellt sich der 31-jährige Daniel Gurnhofer – Doktorand der Erziehungswissenschaften – einen «arbeitslosen Melancholiker» namens Krause vor, der seit zehn Monaten seine Wohnung nicht verlassen hat. Infolge ausufernden Drogenkonsums wird Krause in seiner mit Pizzakartons zugemüllten Bude, die wiederum dem Regisseur...
Leinen los und heiß die Segel; fahr mit uns / Wir werden nicht bestehen, die Welt wird untergehen.» So extemporiert Blumfeld-Mastermind Jochen Distelmeyer nachmittags beim Soundcheck auf der Festivalkonzertbühne im Innenhof des Schauspiels Hannover. Keine zweihundert Meter entfernt auf dem Opernplatz scheint es, als habe seine Vision bereits einen Ankerplatz...
