Geschmack und Travestie

Mit der Polyphonie «Front» gedenkt Luk Perceval im Thalia Theater des Ersten Weltkriegs. Am Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszeniert Sebastian Nübling Simon Stephens Variationen über einen Opernstoff: «Carmen Disruption» (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei)

Theater heute - Logo

Für ein reines Percussions-Gerüst ist diese Wand zu groß geraten. Etliche Meter ragt die Raumskulptur von Annette Kurz in die Thalia-Bühne hinauf, und nur das untere Drittel wird von Musiker Ferdinand Försch mit Händen und Füßen bearbeitet. Hat so der Große Krieg geklungen, der Epochenbruch, der so viele weitere Umwälzungen und Vernichtungen nach sich zog? Es sind riesige frei schwingende Metallplatten, die Försch zum Flüstern, Knirschen, Quietschen bringt, aber auch zum Grollen, Knallen, Explodieren.

Im oberen Bereich hat die Bühnenbildnerin 320 Kacheln gestanzten Metalls nach dem Vorbild einer Restaurantdecke der 1912 gesunkenen Titanic zusammengesetzt und in der Verlaufsform der Westfront oxidieren lassen, wie Kurz in einem im Programmheft abgedruckten Gespräch verrät, und so auch dem TechnikStolz der Epoche ein Denkmal gesetzt. Darauf projiziert wiederum Philipp Bußmann Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkrieges: Porträts von anonymen Soldaten, Gruppenbilder, manchmal auch abstrakte Bewegungsmuster, die an Wolken oder Regen erinnern.

Diese vielschichtig collagierte Bühnen-Installation ist symptomatisch für Luk Percevals polyphones Gedenkprojekt «Front», das am Thalia Theater ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Premieren im Mai

Aachen, Theater
9. Gintersdorfer, Partir à l’aventure (U)
R. Monika Gintersdorfer
10. nach Moodysson, Zusammen!
R. Elina Finkel
30. Bärfuss, Die sexuellen Neurosen
unserer Eltern
R. Jenke Nordalm

Aalen, Theater der Stadt
4. Projekt, Yolo! Du lebst nur einmal
R. Ramona Suresh
29. Campbell, Mr. Pilks Irrenhaus
R. Arwid Klaws, Jonathan Giele
31. Ende, Momo
R. Petra Jenni

Altenburg/...

Mit und ohne Thesen

Was über Hedda alles schon gedacht wurde! Verkörperung von Langeweile und Ästhetizismus, hysterisches Subjekt, Beispiel für die Unmöglichkeit weiblicher Authentizität, der Einspruch des Schönen gegen die Güte: All das war mal Hedda Gabler.

Roger Vontobels Inszenierung ignoriert die Tradition. In Bochum sieht man einen ungewöhnlichen Hedda-Typus: kein feminines...

Pläne der Redaktion - Impressum

She She Pop ergründen nach den Vätern auch die Mütter und begeben sich auf
hochvermintes Gelände. Man wolle nicht von Opfer und Schuld sprechen – das kann nur
mit Opfer und Schuld zusammenhängen: «Frühlingsopfer»

Elektrifizierende Anregungen fürs Drama kommen wie immer aus der New Writing Capital London, zum Beispiel Sarah Ruhls «In the Next Room or The Vibrator...