Gepflegter Nazi-Chic

Göttingen, Deutsches Theater: nach Luchino Visconti «Der Fall der Götter»

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Wenn einer einen anderen erschießt, kann das quälend lange dauern. Vor allem dann, wenn der Erschossene von derselben Person gespielt wird wie der Mörder. Immer wieder tauscht Schauspieler Meinolf Steiner sein blaues Sakko gegen den Smoking nebst Fliege aus, spricht zwei Sätze, und die Umziehorgie beginnt von vorne. Bis zum finalen Abdrücken und zu Boden Sinken des Opfers. Minutenlang dauert der Mord – an sich selbst.

Denn mit dem Tod des Firmenpatriarchen Joachim von Essenbeck beginnt mitnichten eine neue Zeit.

Enkel Martin ist nur ein Wiedergänger im ewigen Kampf um die Spitze und im Bemühen, sich ganz oben zu halten – bis zum nächsten Mord. Es sind immer dieselben Persönlichkeiten in einem ewig gleichen Spiel – die Aussage, die die niederländische Theatergruppe ZT Hollan­dia mit einer Reihe von Doppelbesetzungen in ihre Bühnenfassung des Visconti-Films «Die Verdammten» eingewoben hat, ist so einleuchtend wie banal.

Und führt, im Gegensatz zu Viscontis melodramatischer Transformation der Geschichte vom Aufstieg des Nationalsozialismus, zu einer kritischen Distanz beim Publikum, die immer wieder in Verwirrung umschlägt. Man steigt einfach zwischen andauernden Kostümwechseln nicht ...

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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Alexander Kohlmann

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