Im Fluxusflow
Es fließt. Alles irgendwie. Und das in einer Stadt, in der sonst auch ziemlich viel steht – vor allem Autos im Dauerstau. Aber zumindest im Schauspielhaus ist gerade Fluxus und damit Bewegung angesagt. Schorsch Kamerun, Punkaltmeister und Antiautoritätskünstler, hält Hof. In blauer Zirkusdirektorenuniform domptiert er für seine «Fluxus-Konzertinstallation» eine gefühlt unzählbare Menge an Mitmachern – Musiker, Schauspieler, sonstige Kreative. Die große Bühne interessiert ihn dabei nicht, sie bleibt an diesem Abend verschlossen.
Stattdessen drängt sich die Zuschauerschar zunächst in einem eng abgezirkelten Bereich des Foyers, hört Musik und starrt auf zwei Videobildschirme, auf denen abstrakte Livebilder aus anderen Räumen flackern. Einstimmung auf einen unbestimmten Abend.
Kamerun hat sein Werk als offenen Parcours gestaltet. Auf drei Ebenen lassen sich installative Andeutungen bestaunen – Gerüstkonstruktionen, die als Aussichtspunkt oder Minibühne fungieren, Museumskabinen, in denen eigentümliche Gemälde hängen, ein Pavillon mit Teezeremonie, eine Ausgrabungsstätte oder Baustelle, die vielleicht etwas bedeutet. In einer Ecke wird gemalt, vielleicht auch gebastelt, in einer ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Kristin Becker
Wenn einer einen anderen erschießt, kann das quälend lange dauern. Vor allem dann, wenn der Erschossene von derselben Person gespielt wird wie der Mörder. Immer wieder tauscht Schauspieler Meinolf Steiner sein blaues Sakko gegen den Smoking nebst Fliege aus, spricht zwei Sätze, und die Umziehorgie beginnt von vorne. Bis zum finalen Abdrücken und zu Boden Sinken des...
Mein Pass weist mich aus als Bürgerin des Königreichs Ros-u, das bezeichnenderweise ein über seine Nabelschnur tief im Erdreich verwurzeltes Ferkel in seinem Wappen trägt. Die armen Bewohner huldigen einem archaischen Fruchtbarkeitskult, Anhänger anderer Religionen werden diskriminiert und verfolgt. Vermutlich alles Gründe dafür, dass ich, 54, weiblich, meine...
Ganz eng ist es geworden auf dem Marktplatz. Bauern und Kosaken kesseln Badjin, den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, sowie Borschtschi, den Bezirks-Sekretär, der ihn begleitet, ein. Dass Badjin den verhassten Chef der Bezirksmiliz Saltanow hat verhaften lassen, lässt die Menge erstarren. Es ist ihr Triumph. Aus den hinteren Reihen hört man Gesang: «Aufgeplustert...
