Stalin schläft

Frank Castorf feiert seine Rituale am Beispiel von Hans Henny Jahnns «Die Krönung Richards III.» in Wien

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Wer eine knappe Viertelstunde vor Schluss, nach gut fünfeinhalb Stunden in den kuscheligen Polstern des Wiener Burgtheaters noch einen Hinweis nötig hatte, worum es geht, den klärte Sophie Rois auf: «Die Burg gehört jetzt mir!» Wobei «die Burg» mindestens dreierlei bedeutet: Neben dem österreichischen Nationaltheater, dem am Tag vor der Premiere der Direktor per ministeriellem Sofort-Rausschmiss abhanden gekommen war, vor allem das Bühnenbild von Bert Neumann: Ein munter auf der Drehbühne kreiselnder, riesiger mittelalter­licher Burghof, dem Innen- und Außenraum nahtlos ineinander

übergehen, mit einem düsteren Turm, neckischen Verliesen und einem gern benutzten offenen Abtritt an der Mauer, der auch als Dusche benutzt werden kann. Der mon­strö­se holzgezimmerte Abenteuer-Spielplatz für große Kinder darf aber ebenso als Staat gelesen werden: Die schwarze Burg vor leuchtend sowjet-rot ausgehängtem Hintergrund muss mindestens der Farbsymbolik nach auch ein Zeichen alter Größe unter Stalin sein, zu dem Frank Castorf seit je ein respektvoll-freundschaftliches Verhältnis pflegt. Er suche ja immer nach dem Stalin in sich, hatte Castorf schon vor 20 Jahren gern in Interviews bekundet. So ...

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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille

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