Der Spieler und die Knacksdame
Keinem deutschen Theatermann wurden nach Max Reinhardt und Bertolt Brecht so viele Bücher, Studien, Bildbände, Ausstellungen und Filmporträts gewidmet wie Gustaf Gründgens. Ob als Snob, zwielichtiger Ganove, disziplinierter Staatsintendant, mephistophelischer Anarch beim Tanz auf dem Vulkan, fürsorglicher Ensemblechef – alles Schillernde verwandelte sich in seinem Fall zur legendären Lichtgestalt. Keiner seiner vielen geschickten Kompromisse schadete seiner Beliebtheit.
Gesunden Machtinstinkt, Eitelkeit, Intelligenz, Hilfsbereitschaft, spielerisches Kalkül wusste er letztlich immer in Einklang zu bringen. Ein «glücklicher» Mensch war er allerdings nicht. Er hoffte, wenigstens noch im Alter lernen zu können, «wie man lebt», denn die Genugtuung eines «erfüllten Daseins» blieb ihm verwehrt.
Leben in den Extremen
Noch immer scheinen nicht alle Aspekte seines Lebens in den Extremen genügend erörtert und ausgeleuchtet, noch immer werden Antworten auf die Gründe für seinen ungebrochenen Erfolg bei den regierenden Politikern nicht weniger als beim Publikum sowohl in der Nazizeit als auch in der Bonner Republik unter Konrad Adenauer gesucht. So hat jetzt Carola Stern in ihrem letzten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das widerfährt nur den Allergrößten, dass selbst aus Kommentaren noch Kunst entsteht. Goethe zum Beispiel. Das Dritte Reich erlebte gerade seinen Aufstieg, als Thomas Mann in die Archive abtauchte, um mit Riemer, Eckermann et al. den Olympier auf den Tagesplan zu rufen. «Lotte in Weimar» ist das Produkt seiner philologischen Großanstrengung und enthält neben viel...
Für Literaten ist ein Engagement in Hollywood zumeist ein zweischneidiges Schwert. Viele Autoren können davon berichten, wie lukrativ das Schreiben für die Filmstudios ist, aber auch davon, wie folgenlos diese Arbeit meistens bleibt. Bret Easton Ellis prahlt in seinem neuen, autobiografisch angehauchten Roman «Lunar Park» damit, dass er lediglich ein paar...
Ein Stück Zucker genügt, um den Kleinbürger aus der Fassung zu bringen. «Ihr habt wieder Würfelzucker gekauft?», schimpft der alte Bessemjonow (Martin Schwab), kaum dass er die Szene betreten hat. «Würfelzucker wiegt mehr und ist nicht süß genug. Also ist es Unsinn, ihn zu kaufen.» Dabei hat der gute Mann weiß Gott auch andere Sorgen. Sohn Pjotr (Dietmar König) ist...
