Frisur egal
Das widerfährt nur den Allergrößten, dass selbst aus Kommentaren noch Kunst entsteht. Goethe zum Beispiel. Das Dritte Reich erlebte gerade seinen Aufstieg, als Thomas Mann in die Archive abtauchte, um mit Riemer, Eckermann et al. den Olympier auf den Tagesplan zu rufen. «Lotte in Weimar» ist das Produkt seiner philologischen Großanstrengung und enthält neben viel lesenswertem Tratsch über den Dichterfürsten auch einen gut achtzigseitigen inneren Monolog, in dem man selbstredend nachvollzieht, wie «Goethe» dachte: über Werk und Leben und über den deutschen Untertanengeist.
Diese Imitation traf den Nerv der Zeit. Erst bediente sich ein antifaschistisches Plagiat bei Mann, um Hitler mit Goethe zu bekämpfen; dann strafte der britische Chefankläger Lord Shawcross 1946 bei den Nürnberger Prozessen die Deutschen mit den vermeintlich echten und prophetischen Goethe-Worten ab. Irritierender und zeitgemäßer konnte eine Geisterbeschwörung damals nicht sein.
Die Karenzzeiten sind kürzer geworden. Zehn Jahre nach dem Todestag von Heiner Müller und zwei Jahre nach den Jubiläumsfeiern zu seinem 75. mehrt sich das Bedürfnis nach einer Dichterbegegnung. «100 Fragen» stellt Thomas Oberender an ...
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Für das Theater zu schreiben, ist ein eigenes Ding, und wer es nicht durch und durch kennet, der mag es unterlassen», meinte Goethe am 4.2.1829 zu Eckermann. Diese Maxime ließe sich leicht in «für das Theater zu übersetzen» umformulieren, und leider ist sie noch zutreffender, wenn es um das Schreiben über Theaterübersetzungen geht. Allzu oft gewinnt man den...
Eigentlich ist die Mutter der Wildente einfach ein dummes Huhn. Gina hat sich vor 15 Jahren vom ehemaligen Arbeitgeber, dem reichen Werle, schwängern und weiterreichen lassen an den Sohn seines gescheiterten Kompagnons Ekdal, Hjalmar, ein Mann mit hochfliegendem Selbstbild und geringen Energien. Ihm hat sie das Kind Hedwig untergeschoben und führt ihm den...
Ein Dokumentarfilm über vier Filmschauspielerinnen. Recht junge Schauspielerinnen. Keine über 35. Und auch wenn sie schon allerhand gedreht haben, ist da natürlich kein so genanntes Oeuvre und kann es also nicht um das Was und Wie gehen, um Spiel und Stil. Statt dessen interessiert, ja tatsächlich, die Haltung. Die aber auch kein Warum ist, sondern eher eine...
