Alles ist belichtet
Huch, haben die sich verdruckt? «Christoph Schlingensief» steht in großen Lettern im Hof der Kunstwerke, und darunter nicht etwa seine Lebensdaten, sondern «1.12.13 – 19.1.14». Diese Ausstellung ist eben kein Grabstein, sondern der von Schlingensief zu Lebzeiten selbst mitinitiierte Versuch, das umfangreiche, abenteuerliche Werk des 2010 gestorbenen Regisseurs und Künstlers für kurze Zeit in Berlin und anschließend im New Yorker MOMA noch einmal sichtbar und lebendig werden zu lassen.
Und tatsächlich: Auch ohne den leibhaftigen Charismatiker Schlingensief, den etwa der Filmkritiker Georg Seeßlen in einer «Zeit»-Besprechung schmerzlich vermisste, ist diese Ausstellung eine der lebendigsten, die die Kunstwerke je gesehen haben dürften. Das liegt zum einen daran, dass Schlingensief sich und seine Projekte schon sehr früh dokumentiert hat oder dokumentieren ließ, weshalb er auf einem beträchtlichen Teil des Ausstellungsmaterials selbst zu sehen und zu hören ist. Zum anderen reagierten viele seiner Aktionen, Theateraufführungen, Talkshows und Filme in den 90er Jahren feinnervig und brutal zugleich auf deutsche Befindlichkeiten. Ob Schlingensief nach der Wiedervereinigung in der ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Magazin: Ausstellung, Seite 62
von Eva Behrendt
Zurzeit schärfen die Atriden ihre Mordwaffen gern in gutnachbarlichen Wohnzimmern. Stefan Pucher hingegen kümmert sich in seiner Antiken-Variante «Elektra» am Deutschen Theater Berlin wenig um die Banalität der Familie an sich. Sein Interesse gilt eher den Niederungen der Familien-Soap: Wie viel «Denver-Clan» steckt in der Atriden-Dynastie? Welche pop- bzw....
Ein Mann in bequemen Alltagsklamotten liegt, an die Wand des White Cubes gedrückt, auf dem Boden. An der gegenüberliegenden Wand beugt sich ein Tänzer nach unten, berührt mit gestrecktem Arm den Boden und streckt zugleich den anderen Arm nach oben, als wollte er die Spannweite seiner Arme messen. Eine Frau singt an der Rückwand des Raumes, und vorn erzählt gerade...
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...
