Alle Kater sind grau
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell am Arbeitsplatz genötigt). «Was hat denn das mit Verdi zu tun?», rief einer. Dabei lässt sich mindestens das ganz gut sagen.
Verdi hat Shakespeares Königsmorddrama bekanntlich in Richtung der Lady Macbeth zugespitzt und den Hexenchor gestärkt, hat mithin mehr weibliche Triebkraft hineingelegt, am Schluss auch mehr Leidenswahn. In der Deutung von Volker Lösch steckt in dem Wirken eine Reaktion auf die Ausstoßung aus der Männerwelt, ein Aufbegehren gegen patriarchale Gewaltherrschaft. In Masken der Pussy Riots umtanzen die Hexen zum Auftakt einen kolossalen Strohpenis.
Aus ihrem Rund tritt Lady Macbeth heraus, um bald Macbeth zum Mord an König Duncan aufzufordern, damit das Männersystem an seiner immanenten Aggression zugrunde gehe. Die Hexen sind «Geburtshelfer» des Blutgedankens, wie Löschs Dramaturg Volker Schnabel im ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Christian Rakow
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