Von allen Furien verlassen
Zurzeit schärfen die Atriden ihre Mordwaffen gern in gutnachbarlichen Wohnzimmern. Stefan Pucher hingegen kümmert sich in seiner Antiken-Variante «Elektra» am Deutschen Theater Berlin wenig um die Banalität der Familie an sich. Sein Interesse gilt eher den Niederungen der Familien-Soap: Wie viel «Denver-Clan» steckt in der Atriden-Dynastie? Welche pop- bzw.
unterhaltungskulturellen Codes, Aufmüpfigkeits- und Racheposen lassen sich auf der Folie der guten alten Schlächter-Sippe lesen? Und, last but not least: Wie versetzt man so einen Pop-Orest am wirkungsvollsten in die Lage, auf der Bühne tatsächlich den optimalen Coolness-Grad zu verströmen?
Ganz einfach: Indem er in ausdrücklicher Verweigerung (küchen-)psychologischer Kurzschlüsse und anderweitiger Innerlichkeitsergüsse abendfüllend Inszenierungsstrategien und popkulturelle Role Models zelebriert. Die Chortexte hat Pucher an eine temporäre Rock-Pop-Formation aus Susanne Wolff, Tabea Bettin und Anita Vulesica delegiert – wobei letztere über weite Strecken als Solistin reüssiert. Und Barbara Ehnes’ Szenario kommt als leicht abgerocktes Showbühnen-Plateau inklusive Band-Platz für die Musiker Michael Mühlhaus und Masha Qrella ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 24
von Christine Wahl
Eigentlich dürfte Martin Crimps «In der Republik des Glücks» gar nicht so schwer zu inszenieren sein, gerade wenn man von höherer Regiekunst mal absieht. Der erste Teil ist eine Fingerübung in schwarzer Komödie: Eine reizende Familie sagt sich beim trauten Weihnachtsessen so ziemlich alles, was sie noch nie von sich hören wollte. Was natürlich einen respektablen...
«Da wo die Bücher herkommen, da denken alle.» Desto mehr ist es für die Protagonisten in Herta Müllers «Herztier» notwendig, die wenigen, die sie noch haben, möglichst sicher zu verstecken. Denn der Ungeist der Diktatur greift längst um sich. Freies Gedankengut muss im Verborgenen bleiben.
Mit ihrer Erfahrung aus dem Ceaucescu-Regime schuf die 1953 in Rumänien...
Als aber der Sprechchor der «Magdeburger Hexen» zum dritten, gefühlt dreißigsten Mal erschienen war, da erhoben sich im Zuschauerraum bei dieser sonntäglichen Zweitaufführung wie schon bei der Premiere lautstarke Buh-Rufe. Und das für Laienspielerinnen, die gerade eigene Gewalterfahrungen bekundeten (verprügelt von den Eltern, vergewaltigt im Schülerlager, sexuell...
