Keine Zukunft ohne Vergangenheit
Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»
In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behandelt der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó diese kollektive Amnesie auf einer abgewirtschafteten Krankenstation. Dr.
Szatmáry (Roland Rába) und Schwester Dora (Kata Wéber) betreuen hier unter drogenbeeinflusster Resteuphorie die vier letzten Demenzpatienten einer ansonsten schon abgewickelten Klinik, die jeglicher EU-Norm für psychiatrische Einrichtungen detailverliebt spottet. Bühnenbildner Márton Ágh hat eine maro-de Häuserfront zum stilbildenden Mundruczó-Guckkasten aufgeklappt, in dem vereinzelte Luftballons und ein einsamer Weihnachtsbaum auf dem Kühlschrank den desolaten Gesamtzustand melancholisch verstärken: Fehlende Kacheln in Ocker oder Schwimmbad-Türkis geben den Blick auf Mörtel frei; das Wandtelefon und die rollbaren Krankenbetten versehen ihren Dienst wahrscheinlich schon seit den 50ern; auch die rötlich schimmernde Flüssigkeit im ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Anja Quickert
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