Im Unterhaltungssumpf
Dass der Wille zum Spaß in nackten Unterhaltungsterror münden kann, beweist nicht nur der Kölner Karneval, sondern auch Andreas Kriegenburgs zeitnah am Staatsschauspiel Dresden herausgekommener Schenkelklopfer «Was ihr wollt» nach William Shakespeare.
Das Illyrien, in dem die elisabethanische Verwechslungsgesellschaft festhockt, ist hier ein vom Regisseur selbst entworfener Bunker – verfremdete Nazi-Beflaggung inklusive.
Vom depperten Oberbefehlshaber – dem Herzog Orsino (Christian Erdmann) – bis zur schiffbrüchigen Viola (Yohanna Schwertfeger), die ihren abhanden gekommenen Zwillingsbruder sucht und bei dieser Gelegenheit im besagten herzöglichen Chefbüttenredner zusätzlich einen Partner findet, steckt das komplette Personal in signalroten Uniformen und slapstickt sich im Anspielungsbereich von Charlie Chaplins «Großem Diktator» bis zu Ernst Lubitschs «Sein oder Nichtsein» durch den Abend (wobei die Vorbilder freilich zuverlässig unterboten werden).
Denn Andreas Kriegenburg führt uns Illyrien als omnipräsente Spaßdiktatur vor, in der – beklagenswert, beklagenswert – der Humorbegriff des Unterschichtenfernsehens herrscht; eines Mediums also, das der Hochkultur-Afficionado nur ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Christine Wahl
Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»
In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behandelt der ungarische Regisseur...
Es gibt ein Tabuwort im Großgespräch, das – mit zunehmendem Crescendo zwischen November und Anfang Februar – in der Theatertreffen-Jury geführt wird. Das Wort heißt «Tableau» und bezeichnet das Gesamtergebnis der letzten Jurydiskussion: das Programm, das alljährlich im Mai die Theatersäle in Berlin füllen soll. Auf das Tableau soll eigentlich kein einziger Gedanke...
Mein Pass weist mich aus als Bürgerin des Königreichs Ros-u, das bezeichnenderweise ein über seine Nabelschnur tief im Erdreich verwurzeltes Ferkel in seinem Wappen trägt. Die armen Bewohner huldigen einem archaischen Fruchtbarkeitskult, Anhänger anderer Religionen werden diskriminiert und verfolgt. Vermutlich alles Gründe dafür, dass ich, 54, weiblich, meine...
