Fragen der Politik
Zu den großen Selbstzweifelfragen des an Selbstzweifeln aktuell nicht armen deutschen Stadttheaters gehört diejenige, wie viel politische Realität unsere Repertoirestücke eigentlich noch atmen, wie sehr sie über die Grenzen des Theaterraums hinausdrängen, wie stark sie in aktuelle Belange hineinlauschen und, bewahre, vielleicht gar zurückstrahlen. Auf ähnlich wuchtige Resonanzen, wie sie die westdeutsche Bühne der 1960er und 1970er Jahre oder die diktaturkritischen Arbeiten der DDR noch auslösten, muss man dabei selbstredend nicht hoffen.
Das Theater kann nur so stark vibrieren wie die Wirklichkeit, in der es aufgehängt ist. Aber es ist allemal etwas wert, wenn es seine eigenen Selbstzweifel mit einiger Verve vorbringt.
So in der jüngsten Polittheaterbesinnung, die Jette Steckel mit Jean-Paul Sartres Filmdrehbuch «Das Spiel ist aus» am Deutschen Theater Berlin unternommen hat. Das Publikum ist auf der Drehbühne des Deutschen Theaters platziert. Der riesige leere Saal des Hauses wird zur Spielfläche. «Tja, wir sind wohl zu Abonnenten geworden», sagt Ole Lagerpusch und lässt sich in seinen Parkettsessel zurückfallen. Lagerpusch ist der politische Aktivist Pierre, der soeben ermordet ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christian Rakow
Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»
In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behandelt der ungarische Regisseur...
Personen
Die Sängerin – dreißig plus
Carmen – männlich – zwanzig plus
Don José – weiblich – fünfzig plus
Micaela – weiblich – knapp zwanzig
Escamillo – männlich – vierzig plus
Ein Chor
Dieses Stück folgt in seiner Struktur der 1875 entstandenen Oper Carmen von George Bizet.
Seine Entstehung hat mein Freund und Kollege Sebastian Nübling provoziert.
Geprägt ist es...
TH Matthias Lilienthal ist einer der wenigen Auserwählten, die Theater der Welt gleich zwei Mal kuratieren durften. Das erste Mal 2002 in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Damals stand eine programmatische Äußerung im Vorschauheft: «In den 70er und 80er Jahren ist das Vertrauen in Politik verloren gegangen, in den 90ern gab es dann ein Vertrauen in die Ökonomie,...
