Stuttgart: Gemeiner Mann – was nun?
«Würde es dich stören, das Handy wegzulegen, wenn wir miteinander sprechen?» – «Mir war nicht klar, dass das ein Gespräch ist» – Das klingt doch nach idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Urlaub! Der da schulmeistert ist Falk, Philosophieprofessor, intellektueller Machtmensch, Vater zweier Streber, ein Mann mit hoher rhetorischer und ökonomischer Überzeugungskraft.
Die da treffsicher rotzgörig kontert ist Maja, die neue Freundin von Falks Schluffi-Bruder Matze, Bäckereifachverkäuferin, intellektuell und rhetorisch ebenbürtig, ökonomisch unterlegen, ausgestattet mit «Anstand und Klasse». Es ist gerade mal Tag zwei der gemeinsamen Familienbildungsreise durch Japan. Falk, selbst mit Frau und Kindern unterwegs, hatte Matze und Maja dazu eingeladen – und bereut es bereits.
Nis-Momme Stockmanns well-made Play beginnt als schlagfertiger Konversations-Battle auf den Spuren von Yasmina Reza. Genrekonform treibt Stockmann seine Protagonist*innen systematisch in die Enge, hier die Enge eines Tokioter Appartements, bis auch der letzte Rest des dünnen Firnis aus familiärem Goodwill abgeplatzt ist. Darunter lauern Machtstrukturen und Abhängigkeit, vor allem aber ein giftiges ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler
Zu den unvergesslichen Momenten der diesjährigen Berlinale, Dieter Kosslicks letzter, gehörte die Pressekonferenz, die Angela Schanelec zu ihrem Wettbewerbsfilm «Ich war zu hause, aber ...» gab. Da saß diese fragile Person, Jahrgang 1962, zwischen ihren Schauspieler*innen und sagte mit mädchenhaft staunender Stimme Sätze wie: «Kann sich irgend jemand nicht für Esel...
So plump und doof können das Frauen den Männern mit Sicherheit nicht nachmachen. Was da an Stammtischen oder in sonstigen nur dem starken Geschlecht vorbehaltenen Reservaten von der einen Hälfte der Menschheit über die andere schwadroniert und unter beibehaltener Ausschaltung jeglicher Gehirntätigkeit gelallt wird, geht nun wirklich auf kein gegerbtes Leder. Von...
Die wenigsten Fernsehzuschauer könnten von sich sagen, sie seien Sonntagabend noch nie an einer «Tatort»-Folge hängen geblieben. Die wenigsten Schauspieler würden eine «Tatort»-Rolle ausschlagen. Muss ja nicht jeder den Kommissar spielen. Selbst als Leiche wird mancher berühmt. Oder wenigstens von «Bild» interviewt.
«Tatort» ist Volksgut. So gesehen waren...
