Zürich: Zersägt und gehäckselt
Die wenigsten Fernsehzuschauer könnten von sich sagen, sie seien Sonntagabend noch nie an einer «Tatort»-Folge hängen geblieben. Die wenigsten Schauspieler würden eine «Tatort»-Rolle ausschlagen. Muss ja nicht jeder den Kommissar spielen. Selbst als Leiche wird mancher berühmt. Oder wenigstens von «Bild» interviewt.
«Tatort» ist Volksgut.
So gesehen waren Herbert Fritschs «Grimmige Märchen», in denen der Berliner Theatermacher vor knapp zwei Jahren 1001 Hausmärchen der abseitigen Art durch seinen Erzählteilchenbeschleuniger jagte, praktisch der Pilot für dessen neue Populärkultur-Groteske am Zürcher Schauspielhaus. «Totart Tatort» nennt sich der Abend – ein Wortspiel, das verräterisch sein will, aber eher angestrengt originell daherkommt. Genau aus dem Grund trifft der Titel die Inszenierung leider allzu gut.
Dabei beginnt das Stück auf höchstem Herbert-Fritsch-Niveau. Die Pfauenbühne schimmert monochrom in Tatortblau, verjüngt sich wie ein expressionistischer Trichter in ein blendend helles Nichts. Wie fast immer ist Regisseur Fritsch hier sein kongenialer Bühnenbildner.
Die fast 50 Jahre alte Erkennungsmelodie zerspringt klirrend; ihre Erfinder, Klaus Doldinger und Udo ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter
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