Da staunt das Volk
Es hat sich rumgesprochen, dass hier kein Dorf- oder Bauerntheater gespielt wird. In Oberammergau, dem Vollbartkurort am Fuß des Felsgebirgs, sind ausgefuchste Profis an der Arbeit, jeder Rauschebart und jedes Dirndl waschechte Künstler von Geburt an, egal, ob sie die weltberühmten Holzfiguren schnitzen, ihre breitärschigen Hotel- und Bauernhausfassaden mit bunten Szenerien («Lüftlmalerei») und Geranienplantagen zupflastern oder eben Theater spielen – seit bald 400 Jahren.
Mit altbairischer Spielfreude
Denn 1633, als mitten im Dreißigjährigen Krieg ringsum die Pest wütete, war das kleine Gebirgsdorf auf die gnadenbringende Idee gekommen, ein Theaterspiel vom Sterben des Herrn Jesus zu geloben, sofern dessen (und ihrer aller) Vater sie nur vom Tod errette. Was er prompt tat. Raffinierterweise gelobten sie obendrein, das Spiel alle zehn Jahre neuerlich aufzuführen, und so konnten sie, während allerorten die Erlaubnis zum Komödie-Spiel eingezogen wurde, ihrer altbairischen Spielfreude Folge leisten, weil sie es schließlich Gott dem Herrn versprochen hatten, und dagegen war die weltlich-geistliche Herrschaft auf Erden machtlos.
An die 500 Passionsspiele hat es im Barock gegeben, doch ...
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