mulhouse: Aurélien Bory: «Azimut»
Marokkanische Akrobatik entstammt einer Sufi-Tradition aus dem 15. Jahrhundert. Als spirituelle Praxis verlangt sie ebenso strenge geistige wie körperliche Disziplin. Das sei heute in Vergessenheit geraten, und der Nachwuchs kenne nicht einmal mehr den ganzen Kanon der Figuren, glaubt Mohammed Hammich, der Chef der Groupe acrobatique de Tanger. Über deren Wurzeln und ihre bisher drei zeitgenössischen Kreationen in Zusammenarbeit mit europäischen Regisseuren berichtet das Buch «Taoub».
Es trägt den Titel des ersten, 2004 von Aurélien Bory choreografierten Stücks, in dem das Potenzial der Artisten-Truppe zum ersten Mal in Erscheinung trat. Weil 2013 die Region Marseille als europäische Kulturhauptstadt firmiert und die Verbindungen rund um das Mittelmeer zum Thema macht, bat man Bory, in diesem Rahmen noch einmal mit dem Kollektiv zu arbeiten.
Borys Vorgabe war, die Flugfigur in der Akrobatik als Verbindung zwischen dem marokkanischen Griff nach den Sternen und europäischer Theaterkunst bzw. -maschinerie zu betrachten. Das Ergebnis ist eine Abfolge nächtlicher, manchmal flüchtiger Bilder, in denen weit mehr als bloße Mystik zu sehen ist. Vom eleganten Schaufliegen am Trapez sind wir ...
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Tanz Dezember 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Thomas Hahn
Er werde seiner «Cinderella» ein «Story-Lifting» verpassen, versprach der Mainzer Ballettchef Pascal Touzeau. Versprechen gehalten. Seine Neuinszenierung des Märchens vom Aschenputtel, das mit der garstigen Stiefmutter und deren fiesen Töchtern zusammenlebt, ist mehr als nur ein lauwarmer, publikumswirksamer Aufguss der Story.
Es gibt keine blumigen Feen, keine...
Gestreckter Zeige- und Mittelfinger der aktiven Gebärdenhand – auch Gehörlose scheiden sich in Rechts- und Linkshänder – kreisen über der offenen Handfläche der passiven Hand. In der deutschen Gebärdensprache (DGS) ist das die Gebärde für «Tanz». Mit diesem Signal bekundet die in Bremen lebende gehörlose Tänzerin, Choreografin und Gebärdensprachdozentin Doris Geist...
Zwei Männer in buntgemusterten Hemden und Shorts bewegen sich über den Boden, steigen übereinander, verschlingen die Glieder und verdrehen ihre Körper, sodass ununterscheidbar wird, wem hier welcher Arm gehört. Dabei schauen sie stracks ins Publikum und sprechen ununterbrochen, beschreiben Orte und Personen, entwerfen kurze Szenarien. Von all dem aber schnappt man...
