Wiedergeburt im Parkhaus
Der Menschenstrom schiebt sich voran, drückt sich durch die Durchfahrt auf das Parkdeck der Deutschen Oper. Flutet wieder auseinander, verteilt sich auf den kargen Holzbänken. Links im Halbdunkel die Rückwand des Verwaltungstrakts, der Bühnenturm, rechts gähnen höhlengleich leere Stellplätze. Vorn das Kulissenmagazin mit den riesigen Stahltoren. Ein breiter Gang, überdacht, von Säulen gefasst, bildet die Bühne; hier sitzt auch das Kammerensemble der Deutschen Oper.
Hinauf führt eine breite Freitreppe, gekrönt von einer schwarzen Skulptur: ein Pyr vielleicht, ein Pinienzapfen, Symbol der Fruchtbarkeit im Dionysos-Kult.
Oben glimmt fahlblau der Abendhimmel; der September zeigt sich gnädig zum Spielzeitauftakt der Deutschen Oper. Drinnen wird noch an der Obermaschinerie gebaut, doch dem Haus ist es gelungen, aus der Not nicht nur das Bestmögliche, sondern etwas richtig Gutes zu machen. Die Open-Air-Kulisse im eigenen Hinterhof erweist sich als ideal für Iannis Xenakis’ «Oresteia» – weil die collagierte Architektur dieses Ortes so gut zu der heterogenen Gestalt des Stücks passt.
Die erste Fassung entstand, als die Bürger der Stadt Ypsilanti im US-Bundesstaat Michigan Anfang der ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste...
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als...
