Schein des Lebens, das nicht ist
Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste Librettist, Stefan Zweig, an Romain Rolland: «Der alte Meister setzt mich in Erstaunen. Er ist so gescheit, so verständnisvoll, so empfindsam, so sehr Künstler, dass es eine Freude ist, für ihn zu arbeiten».
Michael Heinemann zitiert in seinem Buch «Richard Strauss. Lebensgeschichte als Musiktheater» beide Urteile und schlägt sich eher auf die Seite von Zweig. Für ihn ist der Komponist jemand, der die Freiheit des Ich, die Prägnanz des Individuums zu verteidigen suchte und sich dafür ebenso sehr exponieren wie von sich selbst distanzieren musste – ein Wechselspiel, das sich auch im künstlerischen Werk ereignet. Das Verfahren von Heinemanns Buch ist durchaus originell: Er betrachtet Biografik nicht als Hilfswissenschaft zur Werkdeutung und das Werk nicht als Dokument der persönlichen Lebensführung. Seine Frage gilt jener «Idee, ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 38
von Jan Brachmann
Richard Strauss’ «Rosenkavalier» wurde schon im Uraufführungsjahr 1911 auch in Krefeld gespielt. Die Seidenweberstadt war damals offenbar auf der Höhe der Zeit. Sie war allerdings auch noch reich. Heute gibt es immer wieder Gezerre um den Fortbestand des ohnehin schon runtergesparten Dreispartenhauses. Fünfzehn Jahre nach dem letzten «Rosenkavalier» des...
Auf der Homepage war die Welt bei Redaktionsschluss noch in Ordnung. Alles läuft wie geplant, bedeutete der Netzauftritt des Teatro dell’Opera di Roma. Neun Opernpremieren, vier werden als Neuproduktionen annonciert. Außerdem soll sich der Vorhang für fünf Ballettabende öffnen. Auch Riccardo Muti ist noch als «Ehrendirigent auf Lebenszeit» im Amt. Nur auf den...
Jubilare
Herbert von Karajan hat sie einmal als «die bedeutendste dramatische Mezzosopranistin dieser Zeit» bezeichnet: Agnes Baltsa. Auf der griechischen Insel Lefkas geboren, studierte sie in Athen und München. Ihr erstes Engagement führte Baltsa 1968 als Cherubino an die damals von Christoph von Dohnányi geleitete Frankfurter Oper. An der Wiener Staatsoper gab...
