Wundersames Schattenspiel

Lully: Atys Kiel / Theater

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Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können Schuld auf sich laden, wenn sie von menschlichen Gefühlen übermannt werden – und nicht immer lässt sich ein Schicksal so leicht sublimieren wie das von Atys.

Ihn verwandelt die Göttin Cybèle am Ende in eine Pinie, um den Geliebten nicht völlig zu verlieren. Der hat sie zwar verschmäht und ihr die schöne Sangaride vorgezogen. Aber dass ihre Eifersucht Atys in den Tod treibt, wollte selbst sie nicht.

Lucinda Childs, die langjährige choreografische Mitarbeiterin von Robert Wilson, inszeniert die Oper, die 1987 zum 300. Todestag des Komponisten wiederentdeckt worden ist – und sie tut es, indem sie sich in das barocke Werk einlebt, ohne dabei ihre Zeitgenossenschaft zu verleugnen. Chor und Solisten kleidet Paris Mexis bereits im Prolog in ein gegenwärtiges Schwarz, allenfalls die angedeuteten Masken lassen noch etwas von den ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Hartmut Regitz

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