Wer hat Angst vorm Ruhestand?

Wagner: Die Walküre Dessau / Anhaltisches Theater

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Wotan ist in der Dessauer «Walkü­re» ein Hollywood-Tycoon, der in seiner Firmenzentrale hoch überm nächtlichen Lichtermeer von L. A. den Generationenwechsel vorbereitet. Tochter Brünnhilde aber, von ihrem Stühlchen aus erstmals Regie führend, merkt während der Todesverkündigung, dass die beiden Hauptdarsteller in dem Streifen, den ihr Vater nicht fertig kriegt, nicht nur spielen, sondern sich wirklich lieben. ­Eigenmächtig ändert sie das Drehbuch. Wotan schreitet in bekannter Weise ein und lässt sich ­anschließend vom Kameramann den Datenträger aushändigen.

Die in Ungnade gefallene Newcomerin will ihren Schützling Sieglinde bei den Freundinnen auf der Walküren-Party verstecken. Hier amüsieren sich die ausgefallen frisierten Sterne und Sternchen aus dem «Stall» ihres Vaters mit Gogo-Boys (Kostüme: Suse Tobisch). Am Ende kriegt der urkomisch tricksende, seinen altersbedingten Ruhestand immer wieder hinauszögernde Studio-Patriarch doch noch die Kurve. Ulf Paulsen legt nach allerlei gelungenem Jux einen tief be­wegenden Abschied auf die Bretter – und Tochter Brünnhilde auf den schicken Art-Nouveau-Tresen, der sich in den aus «Siegfried» (siehe OW 5/2013) bekannten ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann

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