Ironie und Taumel, bodenlos
Dass Jacques Offenbach ein romantischer Universalkomponist war, wussten schon seine Zeitgenossen. Auch nach seinem Tod blieb Offenbachs Poesie hellen Ohren nicht verborgen (Karl Kraus!). Insofern bietet die Beschäftigung mit seinen sechs Opern – die unaufgeführten, unvollendeten und Mischgattungen nicht mitgezählt – kaum Überraschungen. Wie aber der «Kontinent Offenbach» beschaffen war, dass er eine eigene Sprache im Konzert des 19.
Jahrhunderts kreierte, tritt mit jeder Ausgrabung mehr zu Tage: Nach «Robinson Crusoe» (1867) und «Vert-Vert» (1869) hat das Label Opera Rara nun die Musset-Oper «Fantasio» (1872) vorgelegt, in der Fassung der Uraufführung, und in der Originalinstrumentation.
Herausgeber Jean-Christophe Keck bezeichnet «Fantasio» als Bindeglied zwischen den «Rheinnixen» (1864) und «Hoffmanns Erzählungen» (1881). Das hört man schon der ersten Nummer an. Ein bouffe-typischer Introduktionschor geht in Sparcks Glockenlied über – vorgetragen von Neal Davies mit noblem Kavaliersbariton. Man erkennnt hier das Modell des Glockenliedes aus den «Rheinnixen». Die wirbelnden Sechzehntel der Streicher versetzen es in eine taumelnde Fastnachtsatmosphäre. Es wirkt, als hätte Offenbach ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 37
von Boris Kehrmann
Ernst Haefliger (1919-2007) war einer der großen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Einer, der stilistische und stimmliche Vielfalt miteinander verband. Bachs Passionen hat er weltweit ebenso gesungen wie zeitgenösssische Werke, Mozart und Schubert. Der nach ihm benannte, von Aviel Cahn (dem derzeitigen Intendanten der Opera Vlanderen) gegründete Wettbewerb fand in...
Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe...
«Friedenstag» ist die am wenigsten gespielte und zweifellos heikelste Oper von Richard Strauss. Uraufgeführt 1938, wurde sie sofort von der NS-Propaganda vereinnahmt, was angesichts des Sujets problemlos gelang. Der Kadavergehorsam eines Kommandanten, der seine belagerte Stadt aus Treue zum Kaiser lieber in die Luft sprengt, als sie dem Feind zu überlassen, dann...
