Checkliste des Grauens

Puccini: Turandot Nürnberg / Staatstheater

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Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater Nürnberg mit. Das Haus hat eine längere Zusammenarbeit mit dem Katalanen vereinbart. Alles Koproduktionen, im aktuellen Fall mit Toulouse und Belfast.

Doch war den Franken mit Puccinis «Turandot», immerhin, das Recht der ersten Nacht vergönnt – entsprechend hoch die Aufmerksamkeit.

Dabei hat Bieito die Attitüde des Schockierers mittlerweile hinter sich gelassen. Offenbar auch die des Regisseurs, der linear erzählt und Charaktere von innen heraus entwickelt. Er spielt lieber mit seinen Figuren Schach. Eine Spielpuppen­fabrik in China, ein Brutalosystem, in dem Arbeiterinnen und Arbeiter in Blaumännern vor einer riesigen Kartonwand geknechtet werden (Bühne: Rebecca Ringst) – das ist der Schauplatz seines «Turandot-Fragments». Gespielt wird in pausen­losen 110 Minuten, ohne ein nachkomponiertes Finale. «Poesia», mit diesem ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel

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