Grabensprünge
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als Hort der Strauss-Pflege und hat den Bayern immerhin eines voraus: eine mehr als akzeptable Spielstätte. Seit Jahrzehnten gehört in Glyndebourne die «Ariadne auf Naxos» zum Inventar.
Und die aktuelle, festgehalten auf DVD, unternimmt erfolgreich einen der unzähligen Kittversuche: Wie Vorspiel und «Oper» zusammenbringen? Wie Kontinuität erzeugen, wo ein dramaturgisch kaum zu überbrückender Graben klafft?
Regisseurin Katharina Thoma (siehe OW 7/2013) lässt dazu Bomben abwerfen: Am Ende des ersten Teils, hier auf John Christies Landsitz anno 1940 spielend, greifen deutsche Flugzeuge an. Ein paar Monate später, das Haus ist nun Lazarett, tastet sich die des Daseins müde Primadonna suizidgefährdet ins Leben und in die Liebe zurück. Auch Zerbinetta, von Laura Claycomb etwas herb gesungen, hat der Krieg ver-rückt, während des ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Markus Thiel
Insbesondere in «Akhnaten», so der Komponist Philip Glass, sollen Musik, Szene und Bewegung als primäre Bedeutungsträger fungieren. Ob Glass’ Musik dazu die nötige Tragfähigkeit besitzt, wird zu Recht nach wie vor diskutiert. In Adelaide hat man im August die Probe aufs Exempel gemacht: Die State Opera of South Australia (SOSA) schnürte die Opern «Akhnaten»,...
Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln....
Dass die Ordnung der Dinge ins Wanken und das Leben aus den Fugen geraten kann; dass man sich manchmal neu erfinden muss, ohne einen Schimmer, was dabei herauskommt – solche Erkenntnisse gehören zwischen Dortmund und Duisburg längst zum Alltagswissen. Das ehemalige Kohle- und Stahlrevier, bis in die 1970er-Jahre smogverhangenes und lautstark hämmerndes Herz der...
