Spaniens Mozart
Ein reicher Onkel: cholerischer Sonderling, der nach seinen Ausbrüchen regelmäßig in Depressionen verfällt und eigentlich nur für das Schachspiel lebt. Um ihn die Kinder seiner verstorbenen Schwester: Giocondo hat unter Vorspiegelung eines großen Vermögens ein Luxus-Geschöpf geheiratet und in der Schuldenfalle nicht nur das eigene Erbe, sondern auch die Mitgift der minderjährigen Schwester verspekuliert. Bis die Finanzen saniert sind, soll Angelica im Kloster «zwischengeparkt» werden. Ohne Ausstattung nähme sie ja keiner. Doch Angelica will verständlicherweise nicht.
Zudem hat sie bereits ihren Liebsten. Nur lässt man sie nicht zu Wort kommen.
In seinem viel bewunderten Schwanengesang für die Comédie Française kämpfte der aus Venedig vertriebene Carlo Goldoni 1771 für das Recht des Herzens und gegen die überholten Gesetze eines Patriarchats, das Mädchen zu Spekulationsobjekten ihrer Verwandten machte. Als Lorenzo da Ponte «Le bourru bienfaisant» für das Wien-Debüt des siebenunddreißigjährigen Spaniers Vicente Martín y Soler so Goldoni-nah wie möglich in italienische Rezitative, Arien und Ensembles übersetzte, erklärte man ihn für verrückt. Kein Mensch würde über die diffizilen ...
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«Zu» steht auf dem Big-Brother-Container, den Hartmut Meyer für «Die Verurteilung des Lukullus» auf die Bühne der Komischen Oper stellt. Während im Orchestergraben der pompöse Leichenzug des römischen Feldherrn und Feinschmeckers unter Eberhard Kloke als schwächelnde Begleitmusik zu einer Lichtspielszene verpufft, wird der Zuschauer auf der Bühne durch den...
Schon mit seiner ersten Opernregie, Glucks «Orpheus und Eurydike» im Januar 2006, gelang dem gebürtigen Magdeburger Andreas Kriegenburg ebendort ein Coup. Er verlegte das Liebesdrama in eine Zwischenwelt aus Mythos und Moderne, zeigte Figuren von heute, die dennoch etwas Überzeitliches hatten und ihr Schicksal gleich mehrfach erleben mussten.
Auch das Personal von...
Über das Leben vieler Nachkriegkomponisten wissen wir wenig. Zu nah ist ihre Zeit der unseren, zu präsent sind sie als Kommentatoren in eigener Sache, und gottlob ist mancher von ihnen noch schöpferisch tätig. So haben die Klassiker der seriellen Ära eines ihrer Ziele vorübergehend erreicht: Die Rationalität des Werks überstrahlt die Irrationalität des Urhebers....
