Aus Bruder Oliviers Skriptorium
Über das Leben vieler Nachkriegkomponisten wissen wir wenig. Zu nah ist ihre Zeit der unseren, zu präsent sind sie als Kommentatoren in eigener Sache, und gottlob ist mancher von ihnen noch schöpferisch tätig. So haben die Klassiker der seriellen Ära eines ihrer Ziele vorübergehend erreicht: Die Rationalität des Werks überstrahlt die Irrationalität des Urhebers. Aber mit wachsendem Abstand bröckelt die Fassade, und scheinbar tut sie das auch bei einem Pionier, dessen Geburtstag sich im Dezember zum hundertsten Mal jährt – bei Olivier Messiaen.
Zwei Professoren der Universität Sheffield, der Pianist Peter Hill und der Musikwissenschaftler Nigel Simeone, legen pünktlich zum Messiaen-Jahr 2008 die deutsche Ausgabe ihres 2005 in New Haven und London erschienenen, schlicht «Messiaen» betitelten Buches vor. Es ist der Versuch, «einen Einblick in Messiaens Welt aus seiner Sicht» zu geben. Der Verlag spricht von einer «Biografie» auf der «Suche nach dem wahren Bild des Komponisten».
Was immer Wahrheit hier bedeuten mag, Hill und Simeone mangelt es an Distanz. Hill ist einer von Messiaens zahlreichen Schülern und wird als «führender Interpret» von dessen Musik beworben. Er und sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im zurückliegenden Jahr feierte das Kölner Opernhaus am Offenbach-Platz seinen 50. Geburtstag. In einer klingenden Hommage, die das Schweizer Label Relief in Zusammenarbeit mit der Oper und dem WDR herausgebracht hat, wird die jüngere Geschichte des Hauses als eine Geschichte seiner bedeutendsten Sänger erzählt. Dass die klangliche Chronik im Jahr 1983 gleichsam...
Ein reicher Onkel: cholerischer Sonderling, der nach seinen Ausbrüchen regelmäßig in Depressionen verfällt und eigentlich nur für das Schachspiel lebt. Um ihn die Kinder seiner verstorbenen Schwester: Giocondo hat unter Vorspiegelung eines großen Vermögens ein Luxus-Geschöpf geheiratet und in der Schuldenfalle nicht nur das eigene Erbe, sondern auch die Mitgift der...
Verglichen mit Alberto Franchettis «Germania» und Vittorio Gnecchis «Cassandra» – Kirsten Harms‘ jüngsten Ausgrabungen an der Deutschen Oper Berlin – ist Eugen d’Alberts «Tiefland» geradezu ein Herzstück des Repertoires. Tatsächlich erwacht das 1903 uraufgeführte und 1905 zur gängigen Fassung überarbeitete Musikdrama nur sehr allmählich aus seinem...
