So nah, so fern
Die Schweizerin konnte ihr Leben ganz der Schönheit weihen. Die Russin verbrachte die wichtigsten Dekaden ihrer Laufbahn unter den dunklen Wolken der Politik. Lisa della Casa ging 1943 nach dem Studium bei Margarethe Häuser und dem Debüt in Solothurn/Biel (1941) an die Zürcher Oper, dann betrat sie als Sophie und Zdenka die Hallen des Ruhms: die der Wiener Staatsoper und der Salzburger Festspiele.
Sie durchlebte die Frühlingsjahre der Staatsoper unter der Ägide von Josef Krips, Karl Böhm und Herbert von Karajan und gab, ein Höhepunkt, bei der Eröffnung des Salzburger Festspielhauses die Rosenkavalier-Marschallin. Zwischen 1953 und 1968 sang sie 147-mal an der Met: eine von Weltruhmesglanz besonnte Laufbahn.
Die sieben Jahre jüngere Galina Wischnewskaja wuchs während der Belagerung von Leningrad bei ihren Großeltern auf, schloss sich einer Operettentruppe an und fand 1948 in Vera Nikolajewna Garina eine Gesangslehrerin, die sie auf ihre Karriere am Bolschoi vorbereitete. 1953 wurde sie für knappe zehn Jahre Sklavin des Theaters. «Verdiente Staatskünstler» mussten damit rechnen, «von anmaßenden Amtsträgern aus der Laune des Suffs nachts aus dem Bett geholt und zum Singen bei einer ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jürgen Kesting
Lange Zeit war in der Opernlandschaft Nordrhein-Westfalens Wuppertal die wichtigste Adresse für Salvatore Sciarrinos fragiles Musiktheater. Seit 2002 wurden dort nicht weniger als vier seiner Opern in zumeist exemplarischer Weise (in Koproduktion mit Schwetzingen) gezeigt, 2009 kam La porta della legge zur viel beachteten Uraufführung. Mit dem Niedergang des...
Wozu die Kunst? Ein Sprech-Chor, der nicht auf der Straße, sondern auf der Bühne wirken wolle, sei Kitsch und Manier, räsonierte Peter Handke Ende der 1960er-Jahre. Ähnlich argumentierten damals alle, die sich auf der Höhe der Zeit wähnten. Doch neu war die agitatorische Pose nicht. Die Frage, ob die künstlerische Ästhetik (das «In-den-Rahmen-Setzen» einer...
Wenn Monteverdi laut Barrie Kosky die DNA der Oper geschrieben hat, so repräsentiert Cavalli zwischen 1640 und 1660 die zweite Generation. Die 42 Opern des mutmaßlichen Monteverdi-Schülers erweitern, variieren und differenzieren die Figuren- und Szenen-Modelle des Ulisse und der Poppea, räumen dem «singenden Sprechen» aber einen weit größeren Raum ein als diese....
