Theater der Ortlosigkeit
Lange Zeit war in der Opernlandschaft Nordrhein-Westfalens Wuppertal die wichtigste Adresse für Salvatore Sciarrinos fragiles Musiktheater. Seit 2002 wurden dort nicht weniger als vier seiner Opern in zumeist exemplarischer Weise (in Koproduktion mit Schwetzingen) gezeigt, 2009 kam La porta della legge zur viel beachteten Uraufführung. Mit dem Niedergang des Wuppertaler Theaters durch systematisches Aushungern riss dieser Faden. Nun hat sich Aachen daran gemacht, Sciarrinos jüngste Oper Superflumina, 2011 in Mannheim uraufgeführt, zum zweiten Mal auf die Bühne zu bringen.
Dabei ist Aachen wohl weniger daran interessiert, das neue Sciarrino-Zentrum der Region zu werden, als vielmehr daran, an das eigene Bibelprojekt An den Wassern zu Babylon von 2009 anzuknüpfen, denn Superflumina spielt direkt auf die lateinischen Anfangsworte des 137. Psalms an – «super flumina Babylonis», zu Deutsch: «an den Wassern zu Babel.»
Ein weiser Entschluss war es, mit Anna Radziejewska die Protagonistin der Uraufführung zu übernehmen, der Sciarrino seinerzeit die halsbrecherische Partie in die bewegliche Kehle komponierte. Denn sie beherrscht die diffizile, an der Sprechdiktion angelehnte Stimmtechnik ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Regine Müller
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