Il faut être beau
Wenn Monteverdi laut Barrie Kosky die DNA der Oper geschrieben hat, so repräsentiert Cavalli zwischen 1640 und 1660 die zweite Generation. Die 42 Opern des mutmaßlichen Monteverdi-Schülers erweitern, variieren und differenzieren die Figuren- und Szenen-Modelle des Ulisse und der Poppea, räumen dem «singenden Sprechen» aber einen weit größeren Raum ein als diese. Damit können Cavallis Sprechopern ein nicht-italienischsprachiges Publikum auch in gekürzter Form auf harte Geduldsproben stellen, wie zwei DVD-Aufnahmen jüngster Produktionen einmal mehr zeigen.
William Christie hat sich dabei des schon von Thomas Hengelbrock eingespielten frühen Meisterwerks La Didone (1641) angenommen (siehe OW 12/2011), Federico Maria Sardelli Cavallis formenreichster venezianischer Oper, Il Giasone (1648; siehe OW 6/2010; ungekürzt auch unter Jacobs bei Harmonia Mundi greifbar). Dass La Didone trotz ihres thematisch bedingt düsteren Tons (Stoff und dramaturgische Aufbereitung entsprechen Berlioz’ Troyens) mehr Vergnügen bereitet als der buntere Giasone, liegt daran, dass Christie die besseren Sänger und souveräneren Instrumentalisten hat. Die süffigen Arts Florissants spielen mit artikulatorischen ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Boris Kehrmann
Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam...
Hinter die Dinge schauen, das wollte schon der Mittzwanziger. Damals, Anfang der 60er, ahnten wenige, dass Stefanos Lazaridis (1942–2010) einer der wichtigsten Bühnenbildner Großbritanniens werden würde. Als sich die English National Opera in den 80ern zu einem power house für modernes Musiktheater entwickelte, prägte er mit antiillusionistischen Raumkonzepten...
Ein Fisch! Endlich etwas auf dem Tisch. Satt werden Rodolfo und seine Kumpanen davon bestimmt nicht, aber was tut’s. Ein munteres Völkchen, diese Pariser Lebenskünstler, auch mit leerem Magen. So zeigen es uns viele Inszenierungen von Puccinis La Bohème, auch jene von Davide Livermore in Valencia. Seine turbulente Personenführung macht den Leuten Laune. Bei Mimìs...
