Arm, aber glücklich?
Ein Fisch! Endlich etwas auf dem Tisch. Satt werden Rodolfo und seine Kumpanen davon bestimmt nicht, aber was tut’s. Ein munteres Völkchen, diese Pariser Lebenskünstler, auch mit leerem Magen. So zeigen es uns viele Inszenierungen von Puccinis La Bohème, auch jene von Davide Livermore in Valencia. Seine turbulente Personenführung macht den Leuten Laune. Bei Mimìs tragischem Tod am Schluss werden zwar einige Taschentücher aus den Abendtaschen geholt – doch sie verschwinden gleich wieder, denn schon in die Schlusstakte der Oper hinein ertönen die ersten Bravos.
Arm, aber glücklich? Das Sprichwort «Ein voller Bauch studiert nicht gern» fällt uns ein, ursprünglich wohl auf die Verdauungsmüdigkeit bezogen, aber verhängnisvollerweise durch die Jahrhunderte auch gern benutzt, um künstlerisch und geistig Kreative zu gängeln. So arbeiten unzählige (Frei-)Schaffende der bildenden, darstellenden und schreibenden Zunft für Honorare, für die (umgerechnet auf Stundenlöhne) die meisten Putzfrauen den Besen nicht aus der Ecke holen würden. Auch heute, im Zeichen der Krise – während Zocker, deren Tun die Welt an den Rand des Abgrunds drängt, in den Privatgaragen ihre Ferraris polieren.
Die Kleinen ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
Eine Schöne Magelone mit Philippe Jaroussky oder eine Dichterliebe mit Max Emanuel Cencic? Das möchte man sich lieber nicht vorstellen. Das Manieristische, Maskenhafte, Outrierte eines an der Barockoper geschulten Vokalstils, die penibel einstudierten, inszenierten Posen passen nicht zum Herzweltschmerz der Romantik. Den Affekthaushalt des gepuderten...
Hinter die Dinge schauen, das wollte schon der Mittzwanziger. Damals, Anfang der 60er, ahnten wenige, dass Stefanos Lazaridis (1942–2010) einer der wichtigsten Bühnenbildner Großbritanniens werden würde. Als sich die English National Opera in den 80ern zu einem power house für modernes Musiktheater entwickelte, prägte er mit antiillusionistischen Raumkonzepten...
Was macht eine Primadonna aus? Das Auffällige, Schräge, das sich gut vermarkten lässt? Spektakuläre Auftritte in den Medien? Die Kapricen, das exaltierte Gehabe wie im Vorspiel zu Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals Ariadne auf Naxos? Krassimira Stoyanova spielt dies an der Wiener Staatsoper zwar gekonnt aus, doch widerspricht sie sich mit dieser...
