Fiebrige Spielfreude
Das Dortmunder Opernhaus ist eigentlich zu groß für frühbarockes Repertoire. Schon 2011 ließ Jens-Daniel Herzog deshalb für Cavallis L'Eliogabalo nur bis zur 16. Reihe Plätze vergeben. Bei Monteverdis Poppea, die er nun inszeniert hat, geht er in Sachen Intimität noch einen Schritt weiter und bittet das Publikum auf die Bühne. Ganze 270 Plätze sind auf zwei steil ansteigenden Tribünen eingerichtet, das Orchester thront oberhalb eines der beiden Portale, zwischen denen sich zu ebener Bühne die Spielfläche befindet. Bespielt werden zudem die Gänge hinter der letzten Tribünenreihe.
Mathis Neidhardt hat alle Wände und die Portale nach dem Vorbild Yves Kleins mit goldfarbenen Quadraten bemalt und dieser Pracht zum Trotz einen kargen, in seiner Direktheit an das Shakespeare’sche Globe-Theater gemahnenden Bühnenraum geschaffen, in dem man der Präsenz der Darsteller nicht entkommen kann.
Nach dem Prolog der drei Göttinnen kommen die Protagonisten (bis zu drei kleinere Rollen übernehmen die Ensemblemitglieder) in Unterwäsche herein; vom Bühnenhimmel schweben Kostüme, die von Fortuna unter Gezerre des Personals um die schönsten Fummel entschlossen verteilt werden. Dann kann das Spiel um ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Wenn Monteverdi laut Barrie Kosky die DNA der Oper geschrieben hat, so repräsentiert Cavalli zwischen 1640 und 1660 die zweite Generation. Die 42 Opern des mutmaßlichen Monteverdi-Schülers erweitern, variieren und differenzieren die Figuren- und Szenen-Modelle des Ulisse und der Poppea, räumen dem «singenden Sprechen» aber einen weit größeren Raum ein als diese....
Zum Auftakt lautes Telefonklingeln. Kein Handy, denn auf der Bühne springt ein Anrufbeantworter an: Michael, Tanja Ariane und Paula sind nicht zu Hause, tönt es vom Band. Doch dann stürmen sie schon ins schicke Loft: Michael Nagy (Giulio Cesare), Tanja Ariane Baumgartner (Cornelia) und Paula Murrihy (Sesto) samt Partygefolge. Die Stimmung kippt, als ein Geschenk...
Lange Zeit war in der Opernlandschaft Nordrhein-Westfalens Wuppertal die wichtigste Adresse für Salvatore Sciarrinos fragiles Musiktheater. Seit 2002 wurden dort nicht weniger als vier seiner Opern in zumeist exemplarischer Weise (in Koproduktion mit Schwetzingen) gezeigt, 2009 kam La porta della legge zur viel beachteten Uraufführung. Mit dem Niedergang des...
