Aus der vokalen Linie
Das Arien-Album an sich ist im 21. Jahrhundert eine antiquierte Angelegenheit. Hinzu kommt, dass es Gefahren birgt. Ohne den szenischen Zusammenhang, das nicht mehr in dramatischem Kontext verankerte Solo drohen unter Studiobedingungen die Verstärkung vokaler Eigenarten und ein pauschaler Zugriff auf musikalische Affekte. Das wäre – ebenso pauschal – das Resümee, zu dem man bei Anna Netrebkos «Verismo»-Veröffentlichung kommen könnte. Was nicht dem ganzen Bild entspricht.
Die Russin hat die Anthologie veristischen Opern gewidmet; obwohl streng genommen Komponisten wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli nicht dazugehören, allenfalls als Antizipierende gelten können; auch Giacomo Puccinis Werk, das hier den Hauptanteil einnimmt, hat mit dem literarischen italienischen Verismo wenig gemein. Sich darauf beziehende Opern sind durch bestimmte stilistische Merkmale der Wirklichkeitsdarstellung geprägt, in denen Gefühlsausschläge durch Stoffe und Motive (Gewalt, Sexus, seelische Grausamkeit, Sadismus etc.) ins Extrem getrieben werden. Das verführt Sänger (mehr als Sängerinnen) zu vokalen Untugenden, Überzeichnungen wie Schluchzern und Seufzern. Diese Falle umgeht Netrebko, obwohl sie sich ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Götz Thieme
Manchmal wird einem bewusst, wie eng Erfolg und Vergessen einander verbunden sind. Zdenek Fibich? Da war doch was: ein kleines melancholisches Stück, «Poème», Opus 41. Vor allem an dieses dachte eine breitere Öffentlichkeit, wenn der Name des böhmischen Komponisten fiel. Sonst kannte man dessen vielfältiges Œuvre außerhalb Tschechiens nur wenig. Eher noch seine...
Immer noch verbergen im Foyer der Londoner Royal Opera provisorische Wände Bauarbeiten: Bis Anfang 2018 werden unter anderem der Eingangsbereich, das Treppenhaus und das Linbury Studio überholt. Stehen auch inhaltlich Umbauten an? Inzwischen gab das Haus bekannt, wer 2017 die Nachfolge von Operndirektor Kasper Holten antritt: Den Posten übernimmt Oliver Mears....
Einst an den Rand gedrängt, ist die Moderne nun fest verankert im Programm der Bregenzer Festspiele. Neben Otto M. Zykans «Staatsoperette» stand diesmal sogar eine zweite zeitgenössische Oper auf dem Programm: Miroslav Srnka vertonte in «Make No Noise» (2011) den brisanten Stoff eines Films, der die zufällige Begegnung zweier traumatisierter Menschen thematisiert,...
