Beklemmend nah
Einst an den Rand gedrängt, ist die Moderne nun fest verankert im Programm der Bregenzer Festspiele. Neben Otto M. Zykans «Staatsoperette» stand diesmal sogar eine zweite zeitgenössische Oper auf dem Programm: Miroslav Srnka vertonte in «Make No Noise» (2011) den brisanten Stoff eines Films, der die zufällige Begegnung zweier traumatisierter Menschen thematisiert, die durch wachsende Zuneigung ihre inneren Verhärtungen zu lösen beginnen.
Srnkas Librettist, der australische Dramatiker Tom Holloway, entwickelte aus Isabel Coixets Streifen «Das geheime Leben der Worte» (2005) ein eigenständiges Libretto, in dem wenig gesprochen wird und Dialoge fast gänzlich fehlen. Das lässt sowohl der Musik als auch der szenischen Umsetzung viel Raum – der in Bregenz assoziativ genutzt wird.
Wenige Requisiten reichen der Ausstatterin Katrin Connan für ein suggestives Bühnenbild: Links ist ein blütenweißes Spitalsbett zu sehen, rechts ein nicht minder sauber gedeckter Frühstückstisch. Doch lange sollte das Weiß nicht währen, denn die Möbel stehen in einem riesigen Bassin voller schmierig-braunem Öl. Eine Anspielung auf die Bohrinsel, auf der sich Joseph befindet, der sich paradoxerweise ängstigt vor ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Reinhard Kager
Er war kein Heldentenor aus dem Bilderbuch. Keine Stimmtrompete, die alles zu überstrahlen suchte. Wenn Johan Botha Otello, Kalaf oder Siegmund sang, verblüffte ein jugendlicher, zarter, mitunter verletzlicher Ton. Auch in Bayreuth, wo der aus Südafrika stammende Wahl-Wiener von 2013 bis 2015 Wagners Wälsung verkörperte. Anja Kampe, «seine» Sieglinde, würdigt...
Seid ihr alle da? Wenn es das richtige Lockmittel gibt – klar! Wodka satt zur Realitätsverschleierung, Wein im Tetrapack und ein Kasperletheater, das das Spiel der Mächtigen zur Harmlosigkeitsgroteske zusammenschnurren lässt. Alle Opernfiguren sind anfangs doppelt vertreten, geführt von ihren realen Sängern. Sogar ein Krokodil gibt es, das aus dem Hinterhalt ein...
In den letzten Jahren seines Lebens dachte Leos Janácek viel über die Unsterblichkeit nach. Vom Zyklus des Werdens und Vergehens erzählt seine drittletzte Oper «Das schlaue Füchslein». Die letzte, «Aus einem Totenhaus», beleuchtet die Sehnsucht nach Überleben im Schreckensalltag eines Lagers. «Die Sache Makropulos», sein vorletztes Bühnenwerk, behandelt den Traum...
