Mehr Kumpel als Kaiser
Seid ihr alle da? Wenn es das richtige Lockmittel gibt – klar! Wodka satt zur Realitätsverschleierung, Wein im Tetrapack und ein Kasperletheater, das das Spiel der Mächtigen zur Harmlosigkeitsgroteske zusammenschnurren lässt. Alle Opernfiguren sind anfangs doppelt vertreten, geführt von ihren realen Sängern. Sogar ein Krokodil gibt es, das aus dem Hinterhalt ein rockendes Trio verspeist. Selten so geschmunzelt bei «Boris Godunow», welch neue Erfahrung am Staatstheater Nürnberg.
Dabei greift Peter Konwitschny, inzwischen rund 30 Minuten entfernt beheimatet, «nur» auf den guten alten Verfremdungseffekt zurück. Erhellende Distanz ist das Ergebnis, Bloßstellung der immer gleichen Machtmechanismen, aber eben auch etwas anderes: So überrumpelnd hat noch niemand das satirische Potenzial von Modest Mussorgskys Zarenoper enttarnt.
Trotz jahrzehntelanger Barrikadenkämpfe: Konwitschny, der gerade in einem bemerkenswerten Spätfrühling erblüht, ist eben immer Kind und Spielernatur geblieben. Und wer sich stört am Recycling mancher Kniffe (es gibt immerhin keine Unterbrechung): Die Verhältnisse, sie sind eben noch immer so – und bieten genug absurdes Potenzial für die Karikatur, auch bei ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
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Ja, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: «Überhaupt irrt man», schrieb Mozart an den Kapellmeister Johann Baptist Kucharz, «wenn man denkt, dass mir meine Kunst so leicht geworden ist ...». Und der Wiener Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel vermerkte in seinem Buch «Apropos Musik» ein wenig flapsig, wer Mozart leicht fände, den solle der Lortzing holen....
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