Sanfter Riese
Er war kein Heldentenor aus dem Bilderbuch. Keine Stimmtrompete, die alles zu überstrahlen suchte. Wenn Johan Botha Otello, Kalaf oder Siegmund sang, verblüffte ein jugendlicher, zarter, mitunter verletzlicher Ton. Auch in Bayreuth, wo der aus Südafrika stammende Wahl-Wiener von 2013 bis 2015 Wagners Wälsung verkörperte. Anja Kampe, «seine» Sieglinde, würdigt einen Künstler, der mit 51 Jahren einer Krebserkrankung erlag.
Als ich am 9. September in meinem Hotelzimmer erwachte, blinkte auf meinem Telefon eine Nachricht.
Nichts ahnend öffnete ich sie, und es traf mich wie ein Blitz: «Johan Botha ist in dieser Nacht seinem Leiden erlegen.» Aber das konnte nicht sein! Er hatte doch alle Therapien mit Erfolg überstanden, und es ging ihm wieder gut. Wir hatten doch gerade erst, im Juni, wieder gemeinsam auf der Bühne gestanden, in einer «Walküre», in Budapest. Er sang unglaublich schön, wie eh und je, war voller Enthusiasmus und Lebensfreude. Er strahlte grenzenlosen Optimismus aus, und das hatte sich wohl auch auf das Publikum übertragen, das ihm zu Füßen lag, enthusiastisch mit ihm seine Rückkehr auf die Bühne feierte. Es war wunderbar, diesen Moment mit ihm zu erleben. Am Ende der ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Anja Kampe
In den letzten Jahren seines Lebens dachte Leos Janácek viel über die Unsterblichkeit nach. Vom Zyklus des Werdens und Vergehens erzählt seine drittletzte Oper «Das schlaue Füchslein». Die letzte, «Aus einem Totenhaus», beleuchtet die Sehnsucht nach Überleben im Schreckensalltag eines Lagers. «Die Sache Makropulos», sein vorletztes Bühnenwerk, behandelt den Traum...
Zwischen 1920 und 1940 war «Samson et Dalila» an der Pariser Opéra die am zweithäufigsten gespielte Oper – sie kam in der Statistik gleich nach Gounods «Faust». Doch Ruhm ist vergänglich, jedenfalls in der Rezeptionsgeschichte dieses Werks. Die letzte Neuproduktion liegt jetzt 25 Jahre zurück: Damals tat Pier Luigi Pizzi Camille Saint-Saëns’ Meisterwerk mit seiner...
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