Transparent, mit Temperament
Zwischen 1920 und 1940 war «Samson et Dalila» an der Pariser Opéra die am zweithäufigsten gespielte Oper – sie kam in der Statistik gleich nach Gounods «Faust». Doch Ruhm ist vergänglich, jedenfalls in der Rezeptionsgeschichte dieses Werks. Die letzte Neuproduktion liegt jetzt 25 Jahre zurück: Damals tat Pier Luigi Pizzi Camille Saint-Saëns’ Meisterwerk mit seiner Inszenierung keinen Gefallen. Jetzt betraute man Damiano Michieletto mit der Aufgabe, den vernachlässigten «Samson» wieder populär zu machen.
Leider hat der (allzu) viel beschäftige Regisseur dabei bloß Mittelmaß zustande gebracht – seine Arbeit liefert kaum Argumente dafür, dieser Oper auf den Spielplänen jenen prominenten Platz einzuräumen, den sie eigentlich verdient hätte.
In Italien gilt Michieletto als Pionier einer aktuellen Ästhetik. Wieso eigentlich? Offensichtlich ist das eine Frage des Maßstabs. Gewiss, er verlegt die Handlung in die Gegenwart. Neue Erkenntnisse bringt eine solche Maßnahme allein allerdings noch lange nicht. Im Gegenteil: Die Statisten mit schwarzer Uniform und Maschinengewehr sind hier reine Konvention. Zumal Michieletto jeder politischen Deutung dieses von religiösen und ideologischen ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Christian Merlin
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