Blindflug
Die Karriere der belgischen Sopranistin Anne Cambier beschränkt sich keineswegs auf die Benelux-Länder. Als Solistin bei Les Arts Florissants, als Gast bei Musica Antiqua Köln, La Petite Bande oder der Academy of Ancient Music gehört sie zum inneren Kreis jener Spezialistinnen, die mit nicht zu großer, schlackenloser, glockig heller Stimme zuverlässig ein bestimmtes Segment der Alten Musik bedienen.
Die 13 für ihr aktuelles CD-Recital ausgewählten Mozart-Lieder, darunter auch weniger einschlägige wie «Die betrogene Welt», «Die Zufriedenheit» und «Komm, liebe Zither», singt sie mit frischer, gerader, beneidenswert klangvoller und ausgeglichener Stimme. Bei «Un moto di gioia» ist der Ton freudig und unbeschwert, in «Oiseaux, si tous les ans» zwitschert sie um die Wette mit sich selbst. Die «Abendempfindung» wird durch keinen Anflug von Todesahnung getrübt. Mit anderen Worten: Hier liegt eine unbekümmert schöne, dank Jan Vermeulen am Fortepiano historisch aufgeklärt wirkende Deutung ohne jedes tiefere Verständnis vor. Nicht nur bei Goethes «Veilchen» hat man Mühe, den Worten zu folgen, gar den Sinn des Textes nachzuvollziehen.
Verlegt sich eine Sängerin derart auf ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges...
Der Film sei die Oper des 20. Jahrhunderts, weiß ein gern bemühtes Bonmot. Ganz falsch ist das nicht – auch wenn die vermeintlich sterbensbleiche alte Tante aus Florenz und Mantua sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut. Was als Gesamtkunstwerk funktioniert, ist offenbar so schnell nicht totzukriegen. Egal ob es vor mehr als 400 oder vor gut 100 Jahren in die...
Wir haben es ja schon immer geahnt: Sachsen-Anhalt ist der ideale Ankerplatz für Geisterschiffe. Gleich drei neue «Fliegende Holländer» kommen in dieser Spielzeit dort heraus, zum Saisonstart in Dessau und Halle, im Januar zieht dann Magdeburg mit einer Inszenierung von Vera Nemirova nach. Während in der Berliner Opernstiftung Premieren-Doubletten oder gar...
