Auf Springteufel komm raus
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges Insert im Fernsehprogramm, ein leuchtend roter El Greco, nicht ohne Eleganz also, nur leider mit eklatantem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.
Ganz famos dribbelt und klettert, tänzelt und schwebt der geradezu akrobatische Florian Anderer durch den Bühnenraum, er zippelt und zappelt und grimassiert den ewigen Tollpatsch. Mit einem solchen Hanswurst ist kein Blumentopf zu gewinnen. Dass er als Schlusspointe Agathe unter den Brautrock schlüpft, um auf doch noch wahrhaft diabolische Weise in ihren Körper zu fahren – so viel Grips war ihm weiß Gott nicht zuzutrauen.
Denn IQ-mäßig schenkt sich der Fürst der Finsternis nicht viel mit den bäuerlichen Bodentruppen: Victoria Behr hat sie in quietschbunte Tracht gekleidet, kunstvolle Botanik auf den Köpfen; Kuno und sein Waidmannspersonal leiden unter primatenhafter Gesichtsbehaarung. ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Clemens Prokop
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Frau von Otter, als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Gegenwart haben Sie – außer Verismo – fast alles gesungen, was Ihr Stimmfach hergibt. Sie sind ehrgeizig!?
Ach was, überhaupt nicht. Ich wollte singen, irgendwas, und zwar immer wieder. Allerdings habe ich so eine merkwürdige Neugier in mir, eine Rastlosigkeit. Wenn ich spazierengehe, laufe ich auch immer...
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Leise, nachdenklich, hellhörig geht er in die Proben. Die Arbeiten, die so entstehen, beziehen ihre besondere Kraft aus Präzision und Verinnerlichung. Ein Gespräch über Diven und Disziplin, die neue Lust am Verismo und das Theater als moralische Anstalt
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