«Ich bin instinktiv eine Imitatorin»

Gardiner, Abbado, Kleiber – die großen Dirigenten haben immer gern mit Anne Sofie von Otter gearbeitet. Wegen ihrer natürlichen Musikalität und Bühnenpräsenz, Neugier und Wandelbarkeit. Mancher Kritiker wirft der Mezzosopranistin stilistische Beliebigkeit vor. Sie selbst sieht sich als Ensemblekünstlerin, nicht als Spezialistin. Ans Aufhören denkt die 61-jährige Schwedin noch lange nicht: Lieber kleine Rollen singen, bis nichts mehr geht

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Frau von Otter, als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Gegenwart haben Sie – außer Verismo – fast alles gesungen, was Ihr Stimmfach hergibt. Sie sind ehrgeizig!?
Ach was, überhaupt nicht. Ich wollte singen, irgendwas, und zwar immer wieder. Allerdings habe ich so eine merkwürdige Neugier in mir, eine Rastlosigkeit. Wenn ich spazierengehe, laufe ich auch immer neue Wege. So wie in Salzburg, wo ich wegen «The Exterminating Angel», der neuen Oper von Thomas Adès, zwei Monate verbracht habe: Ich hatte eine Wohnung am See und bin jeden Tag gewandert.

Ihre Stimme besaß stets einen natürlichen Rhythmus. Sie wirkten sehr geerdet. Waren Sie ein Naturtalent?
Nur Musikalität und Stimmfarbe waren da. Die Technik überhaupt nicht! Auch nicht das richtige Bild von meiner Stimme. Ich wollte gern ein hoher Sopran werden. Leider tat das im Hals weh. Ein anderes Problem war, dass ich mich für das Vibrato meiner Stimme schämte. Bei anderen fand ich es hässlich, bei mir selbst konnte ich es überhaupt nicht ertragen. Den Umgang damit habe ich erst lernen müssen. Auch jetzt setze ich Vibrato nur gezielt ein. Nein, ich war keine Naturbegabung.

Zwei Sängerinnen, zu denen Sie aufschauten, waren die ...

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Opernwelt November 2016
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser

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