«Ich bin instinktiv eine Imitatorin»
Frau von Otter, als eine der vielseitigsten Sängerinnen der Gegenwart haben Sie – außer Verismo – fast alles gesungen, was Ihr Stimmfach hergibt. Sie sind ehrgeizig!?
Ach was, überhaupt nicht. Ich wollte singen, irgendwas, und zwar immer wieder. Allerdings habe ich so eine merkwürdige Neugier in mir, eine Rastlosigkeit. Wenn ich spazierengehe, laufe ich auch immer neue Wege. So wie in Salzburg, wo ich wegen «The Exterminating Angel», der neuen Oper von Thomas Adès, zwei Monate verbracht habe: Ich hatte eine Wohnung am See und bin jeden Tag gewandert.
Ihre Stimme besaß stets einen natürlichen Rhythmus. Sie wirkten sehr geerdet. Waren Sie ein Naturtalent?
Nur Musikalität und Stimmfarbe waren da. Die Technik überhaupt nicht! Auch nicht das richtige Bild von meiner Stimme. Ich wollte gern ein hoher Sopran werden. Leider tat das im Hals weh. Ein anderes Problem war, dass ich mich für das Vibrato meiner Stimme schämte. Bei anderen fand ich es hässlich, bei mir selbst konnte ich es überhaupt nicht ertragen. Den Umgang damit habe ich erst lernen müssen. Auch jetzt setze ich Vibrato nur gezielt ein. Nein, ich war keine Naturbegabung.
Zwei Sängerinnen, zu denen Sie aufschauten, waren die ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser
In den letzten Jahren seines Lebens dachte Leos Janácek viel über die Unsterblichkeit nach. Vom Zyklus des Werdens und Vergehens erzählt seine drittletzte Oper «Das schlaue Füchslein». Die letzte, «Aus einem Totenhaus», beleuchtet die Sehnsucht nach Überleben im Schreckensalltag eines Lagers. «Die Sache Makropulos», sein vorletztes Bühnenwerk, behandelt den Traum...
Die Probleme gehen schon mit den Sprechtexten los. Mit dem pausbäckig-hölzern die vielstimmige französische Vorlage (Jean Nicolas Bouilly) nivellierenden Deutsch des Wiener Hoftheatersekretärs Joseph Sonnleithner, das auch in der Bearbeitung von Friedrich Treitschke nicht wirklich zündet. Schon Wieland Wagner hatte bei seiner Stuttgarter «Fidelio»-Inszenierung...
Gerade als Gilda ihre Seele aushauchen will, fährt in einiger Distanz ein Zug vorbei, pflügt akustisch diskret durch das Dolcissimo von «Lassù in ciel». Schlimm ist das nicht. Die klug konzipierte, die Bühne fast hermetisch umschließende Zuschauerarena legt Außengeräuschen den Finger auf die Lippen. Überdies trotzt die Chinesin Sen Guo als Gilda den gedämpft...
