Mal hier, mal dort
Gerade als Gilda ihre Seele aushauchen will, fährt in einiger Distanz ein Zug vorbei, pflügt akustisch diskret durch das Dolcissimo von «Lassù in ciel». Schlimm ist das nicht. Die klug konzipierte, die Bühne fast hermetisch umschließende Zuschauerarena legt Außengeräuschen den Finger auf die Lippen. Überdies trotzt die Chinesin Sen Guo als Gilda den gedämpft rollenden Rädern mit nahezu überirdischem Ton.
Dennoch lenkt das Eindringen solcher Alltagslaute in den Opernkokon – vielleicht eine conditio sine qua non bei Freiluftaufführungen – unwillkürlich die Gedanken auf das Spiel der Zeiten. In diesem Fall der unmittelbaren Gegenwart und der Frührenaissance des Hofs zu Mantua, die sich hier vor der modernen Architektur der Turnhalle Mülimatt zu Brugg-Windisch im mittelschweizerischen Aargau zu vermählen suchen. Wobei die ziehharmonikahaft gezackte Fassade des Fitnesstempels durchaus als ins Heute hinübergerettete Gotik durchgehen könnten – was Bühnenbildner Karel Spanhak denn auch nutzt. Er fügt der expressiven Front ein üppiges rotes Tor hinzu und sorgt ansonsten für Spielpodeste und Treppen, auf denen Regisseur Giancarlo del Monaco seine Routine ausspielen kann. Dabei folgt die ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Gerhard Persché
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