In Statu Nascendi

Beethovens «Fidelio», an der Berliner Staatsoper von Daniel Barenboim unter Hochspannung gesetzt, am Landestheater Coburg von Roland Kluttig mozartisch grundiert

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Die Probleme gehen schon mit den Sprechtexten los. Mit dem pausbäckig-hölzern die vielstimmige französische Vorlage (Jean Nicolas Bouilly) nivellierenden Deutsch des Wiener Hoftheatersekretärs Joseph Sonnleithner, das auch in der Bearbeitung von Friedrich Treitschke nicht wirklich zündet. Schon Wieland Wagner hatte bei seiner Stuttgarter «Fidelio»-Inszenierung (1954) ganz auf die Dialoge verzichtet, das Geschehen zwischen den Nummern erzählen lassen. Walter Felsenstein und Hanns Eisler griffen für ihren «Fidelio»-Film (1956) massiv in die musikalische Dramaturgie ein.

Kürzlich vertrat Claus Guth in Salzburg gar die Auffassung, dass Beethovens nie fertig gewordene, in drei verschiedenen Fassungen und mit vier Ouvertüren überlieferte Opern-«Ruine» am besten als enigmatische Echokammer des Unbewussten zu vermitteln sei (siehe OW 9-10/2015 und Seite 31). Die Gegenposition nahmen wenig später Jossi Wieler und Sergio Morabito in Stuttgart ein: Ihr «Fidelio» kam (quasi) ungeschoren davon – mit allen Stolpersteinen und Sprachblüten (siehe OW 12/2015).

Auch Harry Kupfer setzt bei seiner fünften Näherung an das unmögliche Opus auf die Dichtung von Sonnleithner/Treitschke. Allerdings hat ...

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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

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