Aus dem Leben eines Taugenichts
Im Sommer hatte ich ein paar Wochen frei. Ich verbrachte sie – selbst ist der Tenor! – damit, meiner Tochter eine neue Küchenzeile zu bauen.
Viele Leute sind mächtig überrascht, wenn sie hören, dass Sänger durchaus eine Bohrmaschine von einem Akkuschrauber unterscheiden können. Dabei habe ich schon Wände hochgezogen, Heizungsrohre und Fliesen verlegt oder elektrische Leitungen installiert. Nur ein einziges Mal ließ ich zum Streichen einen Maler kommen. Fazit: Hätt’ ich selbst besser hingekriegt.
Natürlich gibt es Sänger, die lieber sterben, als mal eine Zange anzufassen.
Allerdings bin ich eher geneigt, den Dirigenten und Regisseuren das Händchen fürs Handwerk abzusprechen. Da kenn’ ich nämlich welche, die nicht mal einen Korkenzieher bedienen können – geschweige denn eine Kreissäge. Meine finstere Überzeugung ist, dass manche Exemplare dieser Spezies so sehr ans Kommandieren gewöhnt sind, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, mal etwas selbst zu machen. Umgekehrt habe ich viele Kolleginnen und Kollegen, die in Phasen vokaler Arbeitslosigkeit hingebungsvoll heimwerkeln. Mal ehrlich, macht doch Sinn: Im Fall der Küche müsste ich für die Handwerkerrechnung dreimal den Messias ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett
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Jubilare
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