À la Française
Die Interpretation des französischen Kunstlieds, der mélodie, gehört zu den größten Herausforderungen im Reich des Gesangs. Die diffizile Deklamation des Französischen mit seiner fließenden Ebenmäßigkeit, den heiklen liaisons zwischen zwei Worten und den nuancierten Vokalen macht es vor allem Ausländern schwer. Dennoch waren es von Mary Garden, Debussys erster Mélisande, über Maggie Teyte bis hin zu Felicity Lott immer wieder Nicht-Muttersprachler, die sich als große Interpretinnen der mélodie profilierten. Zu ihnen gesellt sich jetzt Stella Doufexis.
Die deutsch-griechische Mezzosopranistin legt gleich zwei neue CDs vor – eine Auswahl mit Liedern Claude Debussys sowie eine Aufnahme der drei bedeutenden französischen Orchesterliederzyklen, Hector Berlioz’ «Les Nuits d’été», Ernest Chaussons «Poème de l’amour et de la mer» und Maurice Ravels «Shéhérazade» –, die ihren interpretatorischen Ausnahmerang in diesem Repertoire eindrücklich unter Beweis stellen.
Besonders gelungen ist die Debussy-Auswahl, die von den frühesten Versuchen des gerade 18-Jährigen («Nuits d’étoiles», «Fleur des blés») bis zu den späten Liedern auf Texte des barocken Manieristen Tristan L’Hermite («Le Promenoir ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert
Treppenhaus und Diele im gediegenen Landhausstil. Barockmöbel, an den Wänden Ahnenbilder (darunter Heinrich VIII.). Doch das intakte Dekor täuscht, denn Enrico, der in diesem Ambiente herrscht, gleicht weniger einem englischen Monarchen als einem kalifornischen Gouverneur. Den muskulösen Körper im gut sitzenden Anzug, eine Zigarette nach der anderen qualmend,...
Spartanische Holzpaletten, ein verendeter Schwan mit ölverklebtem Gefieder. Videoprojektionsflächen, darauf als blau-weißes Aquarell der Himmel über dem Meer, wie Emil Nolde ihn gemalt haben könnte. Ein Scheinwerfer lässt warnend seinen Strahl durch den Saal kreisen und weist sich so als Leuchtturm aus. Damit ist die Hafenatmosphäre hinreichend skizziert, es kann...
Ein schlichter Mönch, der Chronikschreiber Pimen, hat das Wissen um die Katastrophen Russlands in der Hand, wie sie in Mussorgskys gewaltigem «Boris Godunow» aufscheinen: «Es zieht Vergangenheit an mir vorüber – bewegt, so wie ein Meer, ein Ozean...» Mussorgsky, der Historiker unter den Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, verwandelt das wirre Panorama seines...
