Keine Lust zu sterben
Spartanische Holzpaletten, ein verendeter Schwan mit ölverklebtem Gefieder. Videoprojektionsflächen, darauf als blau-weißes Aquarell der Himmel über dem Meer, wie Emil Nolde ihn gemalt haben könnte. Ein Scheinwerfer lässt warnend seinen Strahl durch den Saal kreisen und weist sich so als Leuchtturm aus. Damit ist die Hafenatmosphäre hinreichend skizziert, es kann losgehen mit Wagners «Fliegendem Holländer», arrangiert für drei Klaviere und Live-Elektronik – eine der drei Produktionen der Stockholmer Volksoper in dieser Saison.
Drei muntere Burschen in Filzhüten, namentlich Henrik Löwenmark, Johan Ullén und Bo Wannefors, kommen hereingesprungen und nehmen die Flügel in Beschlag, für die die U-förmige Bühne Platz gelassen hat. Setzen sich, greifen in die Tasten – und spielen die Partitur von vorne bis hinten durch, einzig die paar Seiten Intro zum zweiten Aufzug überspringend (Wannefors lässt, wo nötig, die Tasten los, zum Dirigieren). Cecilia Josefsson am Mischpult hält sich vornehm zurück, nur sporadisch verschiebt sie einen Regler. Dann erklingt atmosphärisches Donnergrollen. Oder ein, zwei geheimnisvolle Pfeiftöne. Und Senta darf in der Ouvertüre das Erlösungsmotiv mitsummen – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Wiebke Roloff
In Palermo wird derzeit ein vokal verheißungsvoller, szenisch streitbarer «Ring» geschmiedet. Die Aufführungen des ersten und zweiten Teils der Tetralogie während der Wintermonate am Teatro Massimo überzeugten zunächst in gesanglicher Hinsicht. Franz Hawlata, das mag nach seinem Sachs in Bayreuth überraschen, sang den Wotan mit solider Legato-Kultur und konziser...
Er liebte Comics, Zirkus, Zauberei – die vergnüglichen Seiten des Theaters. Jérôme Savarys erste Theatergruppe hieß Grand Magic Circus. Er brachte nicht nur Offenbachs Operetten, sondern auch Helden aus Bildergeschichten wie «Asterix» auf die Bühne. Von 1982 bis 1986 leitete der gebürtige Argentinier das Centre Dramatique du Languedoc-Roussillon, dann bis 1988 das...
Treppenhaus und Diele im gediegenen Landhausstil. Barockmöbel, an den Wänden Ahnenbilder (darunter Heinrich VIII.). Doch das intakte Dekor täuscht, denn Enrico, der in diesem Ambiente herrscht, gleicht weniger einem englischen Monarchen als einem kalifornischen Gouverneur. Den muskulösen Körper im gut sitzenden Anzug, eine Zigarette nach der anderen qualmend,...
