Verkehrte Welt im Theaterzelt
Es ist alter Väter Sitte: Auf das Vorspiel folgt in «Ariadne auf Naxos» die Oper. Im Festspielsommer 2012 macht sich Salzburg darum verdient, die Urfassung der Oper mit vorangestelltem Schauspiel «Der Bürger als Edelmann» neu zu befragen – doch schon ein paar Monate zuvor hat das Theater Heidelberg die altbekannte Allianz Vorspiel/Oper rotzfrech aus den Angeln gehoben, ohne etwas an den Noten zu ändern: Regisseur Lorenzo Fioroni deutet einfach Vorspiel und Oper genau anders herum.
Ein knallbuntes Ausstattungstheater mit virtuos gewechselten Pappkulissen gibt den Blick frei auf ein prachtvolles Palais, davor entspringt ein üppig dekoriertes Theaterpanoptikum, das in die Entstehungszeit des Werks führt. Nach Rüschenkleidern, Oldtimerauffahrten und glutvoll besungener heiliger Kunst gar kann es gar nicht mehr zur Oper «Ariadne» samt eingeschobener Buffotruppe kommen, denn: Das Finale ist mit Panzern vorm Palais und zusammenstürzenden Kulissen ein endgültiges.
Nach der Pause heißt es dann: Schminke runter und hinein ins «wirkliche Leben». Die Sänger des ersten Teils können Richtung Kantine oder nach Hause entschwinden, eine tief deprimierte Ariadne sitzt klagend am Schminktisch und ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Claus Ambrosius
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